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Bündnerwald August 2025

Waldbrand Trin 2010

Im April 2010 zerstörte ein durch Unachtsamkeit entfachter Waldbrand rund 5,2 ha Schutzwald oberhalb von Trin. Sofort bestand dringender Handlungsbedarf, da der Schutzwald Teile des Dorfes Trin Mulin und die Kantonsstrasse direkt vor Lawinengefahr schützt. Die Aufrechterhaltung der Schutzfunktion und die Wiederbewaldung sind aufgrund der vorherrschenden Standortsfaktoren sehr herausfordernd. 15 Jahre nach dem Brand zeigen sich erste kleine Erfolge – dies aber nur dank grossen Anstrengungen, welche weiterhin nötig sein dürften, bis sich ein stabiler Schutzwald auf der Brandfläche etabliert. Matthias Kalberer

Der Brand
Am 29. April 2010 brach im Gebiet «Runca/Munt Sura» auf Gemeindegebiet Trin ein Waldbrand aus. Während dieser Woche leisteten Oberstufenschüler einen Einsatz im Waldgebiet oberhalb von Trin. Dabei hat ein Schüler aus Unachtsamkeit ein Feuer entfacht. Aufgrund der reichlich vorhandenen letztjährigen dürren Grasvegetation breitete sich das Feuer sehr rasch aus. Den Schülern gelang es nicht, das Feuer selbst zu löschen. Dank ortskundigen Leitern und mit Hilfe des Revierförsters konnten sich die Schüler rasch in Sicherheit begeben und unverzüglich die Alarmierung auslösen. Es wurden die Feuerwehren von Trin, Flims, Bonaduz und Rhäzüns sowie die Forstgruppe der Gemeinde Trin zur Brandbekämpfung aufgeboten. Bis zu 100 Personen standen im Einsatz. Aus der Luft wurden sie von mehreren Löschhelikoptern unterstützt. Im Laufe der Nacht gelang es, den Brand soweit unter Kontrolle zu bringen, dass er sich nicht mehr weiter ausbreiten konnte. Dank ergiebigen Niederschlägen am 1./2. Mai konnten die Löscharbeiten und die Überwachung der Brandfläche am 3. Mai abgeschlossen werden. Als Folge des Waldbrandes sind Löschkosten von rund 245 000 Franken angefallen.

Waldzustand
Es handelt sich um einen Wald mit besonderer Schutzfunktion, der vor Lawinen schützt. Der Waldstandort ist ein Zwergbuchs-Fichtenwald, das heisst, die Feinerde trocknet immer wieder aus, die Fichten erreichen 20–30 m Höhe. Die Verjüngung ist wegen dem Austrocknen und der Vegetationskonkurrenz (vor allem Gras) schwierig. Vor dem Waldbrand stockte, auf der betroffenen Fläche von rund 5,2 ha, ein Wald mit ca. 200-jährigen Fichten, in den Lücken waren ca. 5- bis 30-jährige Fichten und in der von der Nassschneelawine 1999 verursachten Lücke im Westteil waren temporäre Lawinenverbauungen und Dreibeinböcke vorhanden. Nach dem Waldbrand waren die meisten alten Fichten auf der Fläche vom Feuer beschädigt. Von den jungen Fichten ist ein grosser Teil verbrannt, ein Teil wurde im Sommer 2010 zudem vom Kupferstecher (Borkenkäfer) befallen und musste sofort entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung des Kupferstechers zu verhindern. Die vorhandenen Lawinenverbauungen und Dreibeinböcke konnten während der Löscharbeiten relativ gut geschützt werden, äusserlich waren nur wenige Schäden (verkohltes Holz) sichtbar. An Hand von Lawinensimulationen konnte gezeigt werden, dass bei extremen Wettersituationen ohne technische Massnahmen Lawinen aus der Brandfläche die Kantonsstrasse erreichen könnten. Folglich bestand sofort dringender Handlungsbedarf, da die Schutzwirkung des Waldes nicht mehr gewährleistet war.


Waldbrand Trin 2010 während den Löscharbeiten.(Bilder: zVg)

Lawinenverbauungs- und Aufforstungsprojekt
Unmittelbar nach dem Brand begann man die exponiertesten Stellen mit temporären Lawinenverbauungen zu sichern. Bereits im ersten Sommer wurden rund 50 temporäre Lawinenverbauungen des Typs «Rempar Grischun» erstellt und die Schutzwirkung so gut wie möglich wiederhergestellt. Es wurde ein Verbauungsprojekt ausgearbeitet, welches neben der grossflächigen Sicherung des Waldbestandes mit temporären Lawinenverbauungen, Begehungswegen, Pflanzungen, Verbissschutz und Jungwaldpflege vorsah. Es wurde mit Kosten von rund 2 Mio. Franken gerechnet. Abgestorbene und abgehende Bäume wurden konsequent gefällt. Vor allem aus Sicht der Arbeitssicherheit und zum Schutz der erstellten Werke. Die «Rempar Grischun» wurden im Werkhof erstellt, auf der Forststrasse in die Nähe des Verbauungsgebiets gebracht und mit dem Helikopter eingeflogen. Offensichtlich instabile Bäume im Bereich der Arbeitsplätze stehen zu lassen, wäre nicht verantwortbar gewesen. Nachdem die Fläche durch einen Sturm im August 2013 erweitert wurde, konnte die Erstellung der temporären Lawinenverbauungen 2015 abgeschlossen werden. Insgesamt wurden über 300 «Rempar Grischun» und einzelne Dreibeinböcke erstellt. Der Untergrund ist extrem flachgründig und felsig. Auf den Felsen können «Rempar Grischun» gut verankert werden. Hingegen ist die Erstellung von Dreibeinböcken auf felsigem Untergrund sehr aufwendig. Auch das Pflanzen macht im felsigen Untergrund keinen «Spass». Aufgrund der Erfahrungen des Försters wurden ausschliesslich Nacktwurzler, grösstenteils dicht in ein bis zwei Meter breiten Bermen gesetzt. Dies aufgrund der extremen Verhältnisse auf der Fläche: flachgründiger Boden auf hangparallel geschichtetem Fels, extreme Sonneneinstrahlung, südexponiert, Trockenheit, Vegetationskonkurrenz (grasig). In den ersten Jahren nach den Zwangsnutzungen machten wir Bekanntschaft mit dem Rüsselkäfer. Dieser knabberte an Rinde und Bast der gepflanzten Bäumchen, was zum Absterben der Pflanzen führte. Dieser Schädlingsbefall beschränkte sich jedoch nur auf die ersten Jahre und die Stellen rund um die frischen Stöcke der gefällten Bäume. Grosse Bedenken kamen aber auf, als alle frisch gesetzten Fichten gelb wurden. Praktisch alle Fichten erholten sich in den Folgejahren jedoch von diesem Pflanzschock. Anfangs wurden jährlich rund 3500 Pflanzen, mehrheitlich Fichten, gepflanzt. Auch heute noch werden Nachpflanzungen ausgeführt. Auch mit dem Ziel, um weitere Baumarten, wie Bergahorn, Eiche oder Waldföhre einzubringen. Insgesamt wurden nahezu 30 000 Jungpflanzen gepflanzt. Die Jungwuchspflege, das Ausmähen und Aussicheln von hohem Gras rund um die Jungpflanzen, wird jeweils erst im Spätsommer ausgeführt, damit die Jungpflanzen nicht der extremen Sonneneinstrahlung und der Sommerhitze ausgesetzt werden. Im Herbst werden zudem die Jungpflanzen mittels Schafwolle vor Wildverbiss geschützt. Bereits kleine Büschel Schafwolle sind wirksam – zu viel könnte das Austreiben der jungen Triebe behindern.


Standort nach Brand (Mai 2010).

Aktuelle Situation
15 Jahre nach dem Waldbrand zeigt sich die Entwicklung vielerorts positiv. Die folgenden Fotos zeigen am Beispiel eines Standorts die Situation direkt nach dem Brand, nach Ausführung der Zwangsnutzungen und Erstellung der temporären Lawinenverbauungen (1 Jahr) und nach der erfolgreichen Aufforstung (15 Jahre).


Nach Zwangsnutzungen und Erstellung der temporären Lawinenverbauungen (Januar 2011).

Ausblick
Einzelne Teilbereiche ohne Verjüngung müssen noch nachgepflanzt und das Baumartenspektrum erweitert werden. Die Jungpflanzen befinden sich vielerorts bereits anfangs der Dickungsstufe, sind vital und zeigen ein gutes Höhenwachstum. Erste Pflegeeingriffe wurden besprochen. «Zukunftsbäume» sollen im Endabstand herausgepflegt und gefördert werden. Der aufkommende Jungwald ist nach wie vor auf die Schutzwirkung der temporären Lawinenverbauungen angewiesen. Viele Hölzer der Verbauungen werden jedoch bereits morsch und müssen ersetzt werden. Einzelne Werke müssen gar ganz ersetzt werden. Da viele Pflanzen bereits dem Äser der Wildtiere entwachsen sind, reduziert sich der Aufwand für die Wildschadenverhütungsmassnahmen ein wenig. Die kleineren Pflanzen sind nach wie vor auf den Schutz vor Wildverbiss angewiesen.


Erfolgreiche Verjüngung (Juni 2025).

Schlussfolgerungen
Der Aufwand, welcher nötig ist, um die Schutzwirkung auf der relativ kleinen Brandfläche kontinuierlich und nachhaltig zu gewährleisten, ist immens. Es macht jedoch Freude und motiviert für die kommenden Einsätze, wenn man beobachten kann, dass der eingeschlagene Weg Früchte trägt und der Jungwald vielerorts, trotz den extremen Standortbedingungen, vital aufwächst. Bis der Jungwald die Schutzwirkung übernehmen kann, braucht es wahrscheinlich aber weiterhin viel Einsatz und ein paar Jahrzehnte Geduld.


Die Aufforstung gedeiht gut, ist aber noch auf den Schutz der Lawinenverbauungen angewiesen.

Wir hatten Glück, konnten die Feuerwehren den Brand rasch unter Kontrolle bringen. Dank an alle, die bei der Brandbekämpfung im Einsatz standen und bei den Arbeiten in den Verbauungen und im Schutzwald geholfen haben. Unvorstellbar die Auswirkungen, wenn der ganze Schutzwald oberhalb Trin gebrannt hätte. Durch die Klimaerwärmung steigt auch nördlich der Alpen die Gefahr von grossen Waldbränden stetig. Umso wichtiger wird zukünftig die Waldbrandvorsorge, Investitionen in Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren sowie die Verbesserung der Löschwasserinfrastruktur und vor allem eine konsequente Einhaltung der Feuerverbote und Vorsichtsmassnahmen bei Waldbrandgefahr.

Matthias Kalberer ist Regionalleiter der Region 2, Rheintal/Schanfigg, beim Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.

Vinschgau: zwei enorme Wald­brände im Frühjahr 2025

Im Vinschgau wüteten im März bei Latsch und im April bei Prad-Stilfs zwei Waldbrände mit jeweils gewaltigen Ausmassen. Sie waren nach betroffener Fläche und nach Einsatzkräften sicherlich die grössten in den letzten Jahrzehnten in Südtirol. Der folgende Bericht geht dabei vor allem auf den Ablauf der Löscheinsätze ein, zusätzlich wird die bereits begonnene Massnahmenplanung skizziert. Georg Pircher und Andreas Platter

Ausbruch des Waldbrandes bei Latsch
Am 6. März 2025, um 12.34 Uhr wurde die örtliche Freiwillige Feuerwehr bezüglich eines Fahrzeugbrandes alarmiert. Auf der Strasse nach St. Martin im Kofel war ein Pkw während der Bergauffahrt in Brand geraten. Die Löschversuche des Lenkers scheiterten, und als die Feuerwehr eintraf, waren durch Sträucher am Strassenrand bereits mehrere Bäume in Brand geraten. Leider wehte an diesem Donnerstag ein starker und trockener Südwind, sodass sofort klar war, dass die Alarmstufe erhöht werden musste und der Forstdienst einbezogen wurde.
Der Ausgangspunkt des Brandes befand sich am Vinschgauer Sonnenberg, auf 1170 m Seehöhe, im Übergangsbereich vom Flaumeichen-Kiefernwald zu trockenen Waldkiefernwäldern. Der Winter war recht trocken gewesen, und im gesamten Februar hatte es im Vinschgau nur wenige mm Niederschlag (2,9 mm in Schlanders) gegeben, eine Schneedecke war nur oberhalb von circa 1500 m Seehöhe vorhanden. Dementsprechend war die Waldbrandstufe gelb ausgewiesen.
Die Löschversuche am Boden waren unwirksam, an diesem Südhang mit Föhrenwald weitete sich das Feuer rasch zu einem starken Waldbrand aus. Der erste Löschhubschrauber AS 350 B3 war mit Waldbrandausrüstung Bambi Bucket bereits um 13.20 Uhr vor Ort. Aber auch nach Einsatz eines zweiten Löschhubschraubers wurde klar, dass aufgrund der Intensität und der Geschwindigkeit des Feuers weitere Mittel notwendig würden. Dies auch, da das Feuer mit grosser Geschwindigkeit in nordwestliche Richtung St. Martin im Kofel zog, einem Weiler am Hang mit rund 100 Einwohnern. So wurde entschieden, einen Super Puma AS 332 mit einer Tragkraft von bis zu 4000 kg zu alarmieren und zwei weitere verfügbare Hubschrauber aus Südtirol hinzuzuziehen. Die Landesverwaltung Südtirols hat mit mehreren Hubschrauberfirmen Vereinbarungen, sodass nach Bedarf verschiedene Hubschrauber gerufen werden können und auch die Verfügbarkeit garantiert ist.


Der Brand bei Latsch bald nach Ausbruch. Am rechten Bildrand befindet sich der Ausgangspunkt des Brandes. Die Höfe und Wiesen von St. Martin im Kofel sind bereits nicht mehr sichtbar. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

Evakuierungen notwendig
Aufgrund der unmittelbaren Gefahr für die Häuser, Höfe und Personen in St. Martin sowie der enormen Rauchentwicklung wurde in der Einsatzleitung entschieden, die Bewohner zu evakuieren. In der Einsatzleitung sind neben dem vorsitzenden Bürgermeister die Freiwilligen Feuerwehren, aber auch Rettungsdienste, Berufsfeuerwehr, Forstdienst, Berufsfeuerwehr Bozen, Bevölkerungsschutz und Polizeikräfte vertreten. Parallel zum Löscheinsatz wurden also ab 15.00 Uhr mit den Hubschraubern der Finanzwache und dem Rettungshubschrauber 59 Personen aus St. Martin evakuiert. Gleichzeitig wurden Feuerwehrleute nach oben geflogen, um die Häuser und Höfe abzuschirmen.

Der erste Einsatztag
Am Abend des 6. März hatte sich das Feuer auf fast 100 Hektar Wald ausgebreitet und war bis knapp an einige Höfe von St. Martin herangereicht. Die Verbindungsstrassen waren durch das Feuer unterbrochen, und auch die Seilbahn von Latsch nach St. Martin – in unmittelbarer Nähe des Brandes – konnte nicht mehr verkehren. Für den Löscheinsatz waren ab 17.00 Uhr fünf Hubschrauber im Einsatz, 15 verschiedene Feuerwehren mit rund 300 Feuerwehrleuten, die Berufsfeuerwehr Bozen, Sanitäter, Notfallseelsorge, Zivilschutz zur Verpflegung, Bergrettungsdienst, Polizei und Forstdienst.
Nach einer ersten Einsatzleitung vor Ort im Gelände wurde diese am Nachmittag in die Gebäude am Sportplatz von Latsch verlegt, wo technische Ausrüstung, Glasfaseranschluss, vorhandene Lagerplätze, der Hubschrauberlandeplatz und die Sicht auf die Brandfläche ein gutes und strukturiertes Arbeiten ermöglichten. Der Löscheinsatz wurde im Gelände in drei Brandabschnitte unterteilt, und auf Grundlage der Waldbrandeinsatzkarte konnten die Wasserentnahmestellen für den Hubschrauber organisiert werden. Die Waldbrandeinsatzkarte, welche für Südtirol flächendeckend vorliegt, zeigt auf Orthofotobasis alle relevanten Infrastrukturen wie beispielsweise Löschbecken mit ihren Eigenschaften (Fassungsvermögen, Befliegbarkeit, …), Gewässer, Löschhydranten, mögliche Hubschrauberlandeplätze und Verkehrsinfrastrukturen an.
Für die Wasseraufnahme wurden die in der Umgebung vorhandenen vier Waldbrandlöschteiche genutzt, dazu mobile Faltbecken aufgestellt sowie für das Bambi Bucket des Super Puma die Lösch­wassercontainer der Berufsfeuerwehr mit einem Fassungsvermögen von bis zu 33 000 Liter bereitgestellt. Diese werden normalerweise mit Lkw transportiert, in diesem Fall konnten sie auch per Super Puma platziert werden. Es war herausfordernd, genügend Wasserentnahmestellen für die fünf Hubschrauber zu schaffen und dabei beide Seiten der Brandfläche, als Vorsorge bei drehendem Wind, abzudecken.


Die Brandfläche oberhalb Latsch am frühen Morgen des 7. März. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

Der weitere Löscheinsatz
Glücklicherweise war die Nacht zum 7. März fast windstill, sodass der Brand sich kaum noch ausbreitete. Am Freitag, den 7. März, wurden den ganzen Tag über Löscharbeiten mittels Hubschrauber durchgeführt – natürlich primär an den Rändern, um die Ausbreitung zu verhindern. Da der betroffene Hang steil, sehr steinig und felsig ist und sich darunter die wichtige Staatsstrasse durch den Vinschgau befindet, gab es eine geologische Begutachtung bezüglich Gefahr durch den Brand, aber auch durch den Wasserabwurf.

   
Mit Drohne vermessene Brandfläche bei Latsch. Gut unterscheidbar die Flächen mit Vollbrand und jene mit Bodenbrand. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)                        

    
Der Super Puma füllt sein Bambi Bucket (4000 Liter) im Container der Berufsfeuerwehr. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)

Da sich am Tag wenig Wind entwickelte, konnte der Brand durch den massiven Einsatz aus der Luft (Ab den Morgenstunden stand ein zweiter Super Puma zur Verfügung) eingedämmt und unter Kontrolle gebracht werden. Dem Löschwasser wurde auch Schaummittel (FIRE-TROL® FireFoam® 103B) und den Wasserabwürfen im Randbereich Flammschutzmittel/Retardant FIRE-TROL® 931 beigemischt.
Ab Samstag, den 8. März, wurden in relativ leicht zugänglichen Bereichen entlang der Zufahrtsstrasse nun Feuerwehrleute auch am Boden zum Löschen eingesetzt. So konnten die Löschhubschrauber reduziert werden.
Am Sonntag schliesslich war nur noch ein kleiner Löschhubschrauber im Einsatz, welcher ein Auf­flammen an den Rändern verhindern sollte. In diesem unwegsamen Gelände wurden die Hubschrauber natürlich auch zu Materialtransporten (Pumpen, Schlauchmaterial) eingesetzt. Innerhalb der Waldbrandfläche gingen die Löscharbeiten in Nachlöscharbeiten über. Aufgrund des steilen Geländes mussten die Feuerwehrleute teilweise durch Bergretter gesichert werden.
Ab Sonntag wurden Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt, um die gefährlichen Glutnester im Randbereich dieser so grossen Brandfläche eindeutiger und rascher finden zu können. Über einen Kartendienst am Smartphone konnten die Feuerwehrleute so zielgerichtet die – oft kaum zu erkennenden – Glutnester finden und löschen. Diese Befliegungen fanden morgens oder abends statt, weil sich da der Temperaturunterschied am besten darstellt.


Die Nachlöscharbeiten nach einem derartigen Waldbrand sind intensiv. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)


Die ersten Höfe in St. Martin i. K. waren bereits vom Feuer umgeben. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)

Erste Massnahmenplanung
Eine Drohne des Forstdienstes wurde auch benutzt, um nach dem Löscheinsatz die Fläche genau zu kartieren. Die insgesamt betroffene Waldfläche beträgt 93,2 Hektar, wobei 31,1 Hektar in Vollbrand standen und komplett verkohlt wurden. Das Bodenfeuer hingegen hat mosaikartig die Bäume mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen.
Da es sich um exponierten Schutzwald handelt, wurden rasch Fragen zur forstlichen Massnahmenplanung gestellt. Ein erster Massnahmenplan wurde auch schon bei einer Pressekonferenz am 12. März vorgestellt. Kurzfristig ging es um die Wartung und Instandsetzung der bestehenden Waldbrandinfrastrukturen sowie um die Sicherung der Zufahrtstrassen und in Folge der Wanderwege im Gebiet. Dabei müssen die unmittelbar gefährlichen und instabilen Bäume an den Strassen und Wegen gefällt (wo möglich quergefällt) werden, ebenso die nun oberflächlich locker liegenden Steine an Böschungen abgeräumt werden.
Eine grundlegende mittelfristige Massnahme ist das Monitoring der geschädigten Bäume, der Restwaldbestände, der Rückkehr der Bodenvegetation, der Verjüngung und der Schädlingssituation. Weiters möchte man in prioritären Flächenteilen durch Aufforstung von Laubholz die Umwandlung des Föhrenwaldes in laubholzreichen Mischwald beschleunigen und mit Waldpflegemassnahmen zur Minderung des Waldbrandrisikos beitragen. Darüber hinaus werden auch die notwendigen technischen Massnahmen über Regiearbeiten des Forstdienstes abgewickelt, wie die Instandsetzung einer alternativen «Notzufahrt» nach St. Martin, die Sanierung einer Hofzufahrt durch einen Felsabbruch wegen der Hitze in der Brandfläche oder die Reaktivierung und Vergrösserung eines Löschbeckens oberhalb von St. Martin im Kofel.
Nach intensiven Nachlöscharbeiten konnte erst am 20. März 2025 «Brand aus» gegeben werden, allerdings wurde sogar noch am 21. März ein brennender Baumstamm innerhalb der Brandfläche gesichtet.

Der Waldbrand bei Prad-Stilfs
Keine drei Wochen später, am 10. April 2025, brach um 14.02 Uhr knapp oberhalb des Dorfes Prad wiederum ein Waldbrand aus. Dieser hatte sehr ähnliche Charakteristika und war daher vom Einsatzablauf her vergleichbar.
Auch hier war ein südseitiger, trockener Nadelwald in Brand geraten, welcher sich rasend schnell nach oben ausbreitete und dabei enorme Rauchmengen entwickelte. Vergleichbar mit dem Brand in Latsch galt es hier neben den Löscharbeiten im Wald ebenso Infrastrukturen zu schützen, nämlich den Funk­umsetzer am Gipfel des «Montoni» sowie den äussersten Hof des Nachbardorfes Stilfs in nordwestlicher Richtung. Wiederum betraf der Brand Schutzwald in schwierigem Gelände, sodass sofort mehrere Löschhubschrauber und viele Nachbarfeuerwehren alarmiert wurden.


Der Waldbrand bei Prad-Stilfs bei Anflug des zweiten Hub­schraubers. (Quelle: Axel Gutweniger, Air Service Center, Sterzing)

Am ersten Einsatztag standen vier kleinere Hubschrauber AS 350 B3 sowie ein Super Puma als Löschhubschrauber und für Lastenflüge zur Verfügung. Dabei konzentrierte sich der Einsatz zu Beginn einerseits auf die Eindämmung Richtung Stilfs, andererseits stark auf die Abschirmung des Funkumsetzers, welcher für die Funk- und Telekommunikation im gesamten oberen Vinschgau entscheidend ist. Für das Dorf Stilfs musste wegen der enormen Rauchbelastung eine Zivilschutzwarnung erlassen werden. Teile der Zufahrtstrassen zum Montoni waren im Waldbereich noch schneebedeckt, sodass der Strassendienst die Räumung für die Einsatzfahrzeuge übernehmen musste und die ersten Faltbecken per Hubschrauber nach oben geflogen wurden. Immerhin war das Feuer in nur einer einzigen Stunde vom Ausbruchsort auf 900 m Seehöhe bis auf 1960 m Seehöhe hochgestiegen.


Bild einer Webcam am Abend des 10. April. Im Vorder­grund das Dorf Stilfs. (Bild: Webcam der Ferienregion Ortlergebiet im Nationalpark Stilfserjoch)

Am Freitag, dem zweiten Tag, waren weiter fünf Hubschrauber im Einsatz, sodass im Laufe des Tages das Feuer unter Kontrolle gebracht werden konnte. Am Samstag dann konnten im Randbereich vermehrt auch Feuerwehrleute zur Brandbekämpfung eingesetzt werden, da auch da nun die langen Zuleitungen am Boden verlegt waren.
Die Grösse der Brandfläche (in Summe 145 Hektar) und die Unwegsamkeit des Geländes erschwerten die Nachlöscharbeiten, sodass die Lokalisierung der Glutnester durch die Wärmebilddrohnen wiederum eine grosse Hilfe war. Der forstliche Massnahmenplan ist ähnlich, wobei bereits jetzt zusätzlich eine Aussaat von Pionierbaumarten auf Testflächen versucht wurde.


Bild einer Webcam am Abend des 10. April. Im Vorder­grund das Dorf Stilfs. (Bild: Webcam der Ferienregion Ortlergebiet im Nationalpark Stilfserjoch)

Erfahrungen
Durch den schnellen und massiven Einsatz der Feuerwehren und dank des guten Zusammen­spiels aller Organisationen konnten die Wald­brände von Häusern, Dörfern und wichtigen In­frastrukturen ferngehalten und in den folgenden Tagen eingedämmt werden. In weniger Punkten und stichwortartig kann man unsere Erfahrungen folgendermassen zusammenfassen:
–Vorhandene Waldbrandinfrastruktur (Löschteiche, Ansaugstellen, Anschlüsse, Zufahrten und Plätze, …) erleichtert den Einsatz erheblich
– Übersichten wie die Waldbrandeinsatzkarte sind wichtig, um den Einsatz zu planen, die Lage darzustellen, aber auch, da viele ortsfremde Personen involviert sind
– Einsatzkräfte mit Ortskenntnis sind in schwierigem Gelände unerlässlich
– Reibungslose Zusammenarbeit der Organisationen ist Grundlage für den Erfolg
– Die Hilfsbereitschaft und Solidarität sind im Ernstfall enorm
– Die Schnelligkeit ist entscheidend: Nur im Entstehen kann ein Waldbrand rasch gelöscht werden
– Glück kann nicht schaden, immerhin gab es bei jeweils rund 1400 Einsatzkräften keine Verletzten
– Die Sensibilisierung der Bevölkerung zum gestiegenen Waldbrandrisiko und zur grossen Gefahr, welche von Waldbränden ausgehen kann, muss verstärkt werden

Georg Pircher ist Direktor der Forstinspektorate Meran und Schlanders der Abteilung Forstdienst der Autonomen Provinz Bozen. Andreas Platter ist stellvertretender Direktor am Forstinspektorat Schlanders und war bei den beiden Waldbränden forstlicher Einsatzleiter

Ein Rückblick von Peter Aschilier über den Waldbrand von Bitsch- Riederalp mit Erkenntnissen aus der Praxis und Forschung

Peter Aschilier arbeitet seit 38 Jahren beim Forst Aletsch und hat bereits einige Extremereignisse miterlebt. Er betreut zusammen mit seinem Team 3707 Hektaren Wald, davon 90 Prozent Schutzwald. Der Waldbrand Bitsch-Riederalp bei Bitsch vom 17. Juli 2023 zählt zu den grössten Waldbränden der letzten Jahre. Peter Aschilier fasst zusammen, was damals geschah und schildert, welche Herausforderungen er zu bewältigen hatte und welche Erfahrungen er dabei gesammelt hat. Zusammenfassung aus dem Interview mit Peter Aschilier

Um 17.00 Uhr ging das Telefon, ich war gerade in einer Sitzung, als mich die Nachricht erreichte, der Wald brennt. Als ich zum Einsatzort gefahren bin und gesehen habe, was abgeht, habe ich überlegt, jetzt habe ich schon x Hochwasser, Stürme, Lawinenereignisse, Steinschläge, Murgänge im Revier erlebt, doch das hier ist neu und gibt ein grösseres Ding. Das müsste jetzt nicht auch noch sein. Der Wind blies mit 60–80 km/h mit Böenspitzen von fast 100 km/h (GIN-Plattform, Gärsthorn Mun1, 2926 m ü. M.). Sofort mussten wir handeln, es wurde eine erste Crew mit Feuerwehrleuten hochgeflogen (17.20 Uhr). Am 17. Juli waren nur zwei kleine Maschinen im Einsatz. Am 18. Juli waren acht Helis im Einsatz: Ein ziviler Super Puma, zwei Super Puma der Armee, zwei K-MAX und drei Écureuils versuchten, das Feuer in Schach zu halten. Dadurch konnten die Feuerwehrleute rasch ins Gebiet geflogen werden. Jedoch breitete sich das Feuer sehr schnell gegen Osten den Hang hinauf aus. Die Faktoren Trockenheit, Hitze, Wind und steiles Gelände stellten keine gute Voraussetzung für ein schnelles Löschen dar. So konnte die Rotex für den nächsten Tag aufgeboten werden, welche mit zwei K-Max-Helikoptern im Einsatz war. Am ersten Abend musste das Dorf Ried-Mörel evakuiert werden. Das ging erstaunlich ruhig über die Bühne! Und noch am selben Tag um 20.00 Uhr folgte die erste Krisenstabsitzung. Danach waren wir ununterbrochen drei Wochen lang im Einsatz, bis der Brand unter Kontrolle war. Wir atmeten alle auf, als der Krisenstab am 4. August 2023 um 18.00 Uhr die «normale» Lage bekannt gab. Es brannten über 100 000 Bäume (hauptsächlich Fichten/Föhren, Arven) auf einer Fläche von 185 ha.
Zusätzlich während den täglichen Löscharbeiten kamen Wärmebildkameras – zwei Systeme der Armee – zum Einsatz. Ein System war im Super Puma installiert, und eines war von der Artillerie am Gegenhang postiert. Damit konnten die immer noch lodernden Brandnester ausfindig gemacht werden. Es ist aber wichtig, dass darauf geachtet wird, dass alle Wärmequellen angezeigt werden. Also auch warme Steine, Wildtiere usw. Deshalb ist es wichtig, dem Personal genügend Zeit bei der Auswertung zur Verfügung zu stellen. Gegen Schluss kamen noch Drohnen zum Einsatz, welche mit einer Wärmebildkamera über das Gebiet flogen. Dank diesen Technologien konnten die Löscharbeiten effizienter ausgeführt werden.


Löscharbeiten mit dem K-Max. (Bild: Forst Aletsch)

Nachdem der Waldbrand endlich gelöscht war, folgte ein weiteres Problem: das Wild. Denn die Waldbrandfläche liegt in der Nähe des Aletschwaldreservates von Pro Natura und eines eidgenössischen Jagdbanngebiets. Dies wiederum bedeutet, dass dort viel Wild vorhanden ist. Der Wald ist verbrannt, und jetzt kommt die neue Verjüngung. Die Stockausschläge der Flaumeiche z. B., die Ende August 2023 bereits 40 cm hoch war, wird laufend abgefressen. Die Flaumeiche schlägt scheinbar bis zwei Jahre nach dem Feuerschaden aus. Es ist anzunehmen, dass die natürliche Ansamung mit Schutz durch Fantom-E je nach Verhalten des Wildes vielleicht teilweise aufkommt. Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und muss jedes Jahr wiederholt werden. Dennoch kann der Verbissanteil dadurch gering gehalten werden. Wir beobachten das Gebiet intensiv und sind selber gespannt, wie es in zehn Jahren am trockenen Südhang aussieht. Aus forstlicher Sicht müsste aber der Wildbestand stärker reguliert bzw. gesenkt werden.
Es ist klar, dass jeder Waldbrand anders ist und situative Entscheide gefällt werden müssen. Zur Unterstützung bei der Bekämpfung eines Waldbrandes ist es sehr hilfreich, sich mit erfahrenen Förstern auszutauschen. In der Nacht können nur zweimotorige Helikopter fliegen. Es wäre zu überlegen, ob nicht die Schweizer Armee, die über solche Maschinen verfügt, sich darauf vorbereiten sollte, auch in der Nacht zu löschen bzw. zu fliegen. Gerade in den ersten Nächten könnte dies eine willkommene Unterstützung sein. 


Steiles Gelände fordert geschultes Personal. (Bild: Forst Aletsch)

Im Falle Bitsch haben sich Löschtrupps von 4–5 Personen, welche sich aus forstlichem Personal, Flughelfern und Feuerwehr zusammensetzten, stets bewährt. Zudem können die Kompetenzen einer forstlich erfahrenen Person im Gelände sehr gut zum Einsatz kommen. Diese kennen zum Beispiel die Fluchtwege und kennen sich in steilem Gelände bestens aus. Es ist sehr wichtig, dass mindestens zwei Varianten der Fluchtwege im Auge behalten werden.
Bäume zu fällen ist nicht immer notwendig. Denn dadurch besteht die Gefahr, dass das Personal im Feuer eingeschlossen wird oder der Fluchtweg versperrt wird. Schlussendlich ist ein starkes Miteinander gefragt, und es ist wichtig, die Meinungen der Forstwarte zur Situation täglich einzuholen und in das weitere Vorgehen miteinzubeziehen. Damit man auf zukünftige Waldbrände besser vorbereitet ist, entstand im Jahre 2024 in Zusammenarbeit mit forstlichen Fachpersonen aus der Praxis und Forschung eine Zusammenfassung zum Umgang für die Bewältigung von zukünftigen Waldbränden.

Nachfolgender Text stammt von Marco Conedera (Eidg. Forschungsanstalt WSL, Cadenazzo), Peter Aschilier (Forst Aletsch, Fieschertal) und Adrian Müller (EPFL SIE, Lausanne)

Ein besonderes Feuerverhalten
Im Moment des Feuerausbruches in Bitsch herrschte, neben Trockenheit und Hitze, ein starker Wind, der das Feuer sehr schnell nach Osten trieb. Der Wind beförderte auch brennende Teile in noch feuerfreies Gebiet (sogenanntes Spotting), was zu einer sprunghaften Ausbreitung des Brandes führte. Sehr interessant war auch die Beobachtung, dass sich der Kronenbrand vor allem bei gesunden Nadelbäumen entwickeln könnte. Gruppen von stehenden, dürren Bäumen (z. B. stehengelassene Bäume nach Borkenkäferbefall aus den Jahren 2020 und 2021) wurden vom Feuer verschont und haben zum Teil sogar als Feuerschneise gewirkt.

Zusammenarbeit Forstdienst-Feuerwehr im Feld
Feldgruppen-Einsätze bei Grossbränden müssen generell sehr gut geplant sein, damit nicht mehr Leute als nötig unterwegs sind und die Unfallgefahr im Rahmen gehalten wird. Die einzelnen Einsatzgruppen sollen möglichst klein gehalten werden (nicht mehr als 4–5 Leute) und mit der geeigneten Ausrüstung im Gelände unterwegs sein. Abgesehen vom persönlichen Material (je nach Saison leichte oder warme, gut sichtbare Warnanzüge, gutes Schuhwerk, aber keine Feuerwehrstiefel, Schutzbrillen und Masken bei starker Rauchentwicklung, Landeskarte im Fall von fehlendem Netzempfang usw.), sollten auch tragbare Wärmebildkameras und geeignete Löschmittel wie Löschrucksäcke oder Wasserbehälter des Typs «TETRA fly-bag», die HDL-200-FF Hochdruckpumpen mit Lanzen und Strahlrohr zum Einsatz kommen.


Karte des Waldbrandes von Bitsch. (Bild: swisstopo/drian Müller, EPFL SIE)

Sehr wichtig ist diesbezüglich auch, dass die Feldgruppen in einem Steilhang nie übereinander arbeiten (Gefahr durch abfliessendes Löschwasser oder Baum- und Steinschläge) und sich nie ohne mindestens einen gekennzeichneten Fluchtweg oberhalb des Feuers aufhalten (das Feuer kann in den steilen Geländerinnen sehr starke Thermiken und sehr hohe Geschwindigkeiten entwickeln). Deshalb ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen ein zentraler Punkt. Unter besonders schwierigen Umständen muss sich der Einsatzleiter ermächtigt fühlen, in Absprache mit (oder im Auftrag vom) Forstdienst bestimmte Gebiete für «unverteidigbar» zu erklären, sie also brennen zu lassen und dort auf den Einsatz von Einsatzkräften zu verzichten.
Der Einsatz von Feldgruppen ist vor allem sinnvoll bei unterirdischen Glutnestern, welche mit dem Helikopter kaum gelöscht werden können, da das Wasser oberflächlich abfliesst oder zu wenig tief in den Boden eindringt. In solchen Fällen ist zu prüfen, ob der Lead bei einem Mitarbeiter des lokalen Forstreviers sein soll, welcher mit den örtlichen Gegebenheiten und den Gefahren im Wald vertraut ist. Am effizientesten sind solche Löschaktionen an Ort und Stelle mit modernem Löschmaterial in Form von Hochdruckpumpen mit Lanzen oder mit Wassersäcken und kleinen Strahlrohren und Wärmebildkameras. Drohnen mit Wärmebildkameras sollten auch vermehrt zum Einsatz kommen, um sich laufend einen Überblick über die noch aktiven Glutnester zu verschaffen. Damit die Feldgruppen gezielt zu den Glutnestern geschickt werden können, sollen die Wärmekamerabilder gründlich auf Fehlanzeigen geprüft werden, die durch warme Felspartien oder Wildtiere erzeugt werden. Mit der Zeit sind die letzten verbleibenden Schwelfeuer auch durch Riechen effizient auffindbar. Bewährt hat sich die Suche und das Löschen von Glutnestern in Bitsch mit Feldgruppen geführt von einem Forstwart und zusätzlich bestehend aus einem Gruppenführer der Feuerwehr, zwei, drei zusätzlichen bergtauglichen Feuerwehrleuten sowie einem Flughelfer.


Erste Vegetation ein Monat nach dem Brand. (Bild: Peter Aschilier)

Das Fällen von Bäumen kann sehr gefährlich oder kontraproduktiv sein, da durch die Äste von liegenden oder gefällten Bäumen eine «Feuerbrücke» zu angrenzenden, noch stehenden Bäumen entstehen kann. Dazu kommt noch, dass auch feuergeschädigte Bäume und sogar tote, stehende Bäume zumindest eine Zeit lang nach dem Feuer noch eine gewisse Schutzwirkung haben können. Deshalb ist es sinnvoll, so wenig Bäume wie möglich zu fällen und gefällte Bäume – auch zur Prävention vor Schädlingen wie dem Borkenkäfer – direkt aus dem Bestand zu entfernen.


Flaumeiche im September 2023 mit Neutrieben von bis 40 cm. (Bild: Peter Aschilier)

Schlussbemerkung
Grossbrände mit einer starken Thermik und Kronenfeuer sind nicht nur für die Feuerwehrleute besonders gefährlich, sondern auch für den mitinvolvierten Forstdienst. Allgemein sind die Erfahrungen aus Löscheinsätzen bei Grossbränden wie in Bitsch sehr wichtig, um die Löschaktion, -organisation, -koordination und -taktik zu verbessern. Am besten dafür eignen sich Debriefings- und Nachbearbeitungsveranstaltungen, die kurz nach dem Ereignis mit dem Krisenstab und allen beteiligten Organisationen durchgeführt werden sollten.

Weitere Informationen auf www.forstaletsch.ch

Weiterführende Literatur
Müller, A. D., Aschilier, P., Kämpfer, D., Bregy, M. S., Conedera, M. (2024). Eine zunehmende Gefahr für die Bergfeuerwehren. 118 swissfire.ch, 150(7), 32–35.

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