Der Brand
Am 29. April 2010 brach im Gebiet «Runca/Munt Sura» auf Gemeindegebiet Trin ein Waldbrand aus. Während dieser Woche leisteten Oberstufenschüler einen Einsatz im Waldgebiet oberhalb von Trin. Dabei hat ein Schüler aus Unachtsamkeit ein Feuer entfacht. Aufgrund der reichlich vorhandenen letztjährigen dürren Grasvegetation breitete sich das Feuer sehr rasch aus. Den Schülern gelang es nicht, das Feuer selbst zu löschen. Dank ortskundigen Leitern und mit Hilfe des Revierförsters konnten sich die Schüler rasch in Sicherheit begeben und unverzüglich die Alarmierung auslösen. Es wurden die Feuerwehren von Trin, Flims, Bonaduz und Rhäzüns sowie die Forstgruppe der Gemeinde Trin zur Brandbekämpfung aufgeboten. Bis zu 100 Personen standen im Einsatz. Aus der Luft wurden sie von mehreren Löschhelikoptern unterstützt. Im Laufe der Nacht gelang es, den Brand soweit unter Kontrolle zu bringen, dass er sich nicht mehr weiter ausbreiten konnte. Dank ergiebigen Niederschlägen am 1./2. Mai konnten die Löscharbeiten und die Überwachung der Brandfläche am 3. Mai abgeschlossen werden. Als Folge des Waldbrandes sind Löschkosten von rund 245 000 Franken angefallen.
Waldzustand
Es handelt sich um einen Wald mit besonderer Schutzfunktion, der vor Lawinen schützt. Der Waldstandort ist ein Zwergbuchs-Fichtenwald, das heisst, die Feinerde trocknet immer wieder aus, die Fichten erreichen 20–30 m Höhe. Die Verjüngung ist wegen dem Austrocknen und der Vegetationskonkurrenz (vor allem Gras) schwierig. Vor dem Waldbrand stockte, auf der betroffenen Fläche von rund 5,2 ha, ein Wald mit ca. 200-jährigen Fichten, in den Lücken waren ca. 5- bis 30-jährige Fichten und in der von der Nassschneelawine 1999 verursachten Lücke im Westteil waren temporäre Lawinenverbauungen und Dreibeinböcke vorhanden. Nach dem Waldbrand waren die meisten alten Fichten auf der Fläche vom Feuer beschädigt. Von den jungen Fichten ist ein grosser Teil verbrannt, ein Teil wurde im Sommer 2010 zudem vom Kupferstecher (Borkenkäfer) befallen und musste sofort entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung des Kupferstechers zu verhindern. Die vorhandenen Lawinenverbauungen und Dreibeinböcke konnten während der Löscharbeiten relativ gut geschützt werden, äusserlich waren nur wenige Schäden (verkohltes Holz) sichtbar. An Hand von Lawinensimulationen konnte gezeigt werden, dass bei extremen Wettersituationen ohne technische Massnahmen Lawinen aus der Brandfläche die Kantonsstrasse erreichen könnten. Folglich bestand sofort dringender Handlungsbedarf, da die Schutzwirkung des Waldes nicht mehr gewährleistet war.

Waldbrand Trin 2010 während den Löscharbeiten.(Bilder: zVg)
Lawinenverbauungs- und Aufforstungsprojekt
Unmittelbar nach dem Brand begann man die exponiertesten Stellen mit temporären Lawinenverbauungen zu sichern. Bereits im ersten Sommer wurden rund 50 temporäre Lawinenverbauungen des Typs «Rempar Grischun» erstellt und die Schutzwirkung so gut wie möglich wiederhergestellt. Es wurde ein Verbauungsprojekt ausgearbeitet, welches neben der grossflächigen Sicherung des Waldbestandes mit temporären Lawinenverbauungen, Begehungswegen, Pflanzungen, Verbissschutz und Jungwaldpflege vorsah. Es wurde mit Kosten von rund 2 Mio. Franken gerechnet. Abgestorbene und abgehende Bäume wurden konsequent gefällt. Vor allem aus Sicht der Arbeitssicherheit und zum Schutz der erstellten Werke. Die «Rempar Grischun» wurden im Werkhof erstellt, auf der Forststrasse in die Nähe des Verbauungsgebiets gebracht und mit dem Helikopter eingeflogen. Offensichtlich instabile Bäume im Bereich der Arbeitsplätze stehen zu lassen, wäre nicht verantwortbar gewesen. Nachdem die Fläche durch einen Sturm im August 2013 erweitert wurde, konnte die Erstellung der temporären Lawinenverbauungen 2015 abgeschlossen werden. Insgesamt wurden über 300 «Rempar Grischun» und einzelne Dreibeinböcke erstellt. Der Untergrund ist extrem flachgründig und felsig. Auf den Felsen können «Rempar Grischun» gut verankert werden. Hingegen ist die Erstellung von Dreibeinböcken auf felsigem Untergrund sehr aufwendig. Auch das Pflanzen macht im felsigen Untergrund keinen «Spass». Aufgrund der Erfahrungen des Försters wurden ausschliesslich Nacktwurzler, grösstenteils dicht in ein bis zwei Meter breiten Bermen gesetzt. Dies aufgrund der extremen Verhältnisse auf der Fläche: flachgründiger Boden auf hangparallel geschichtetem Fels, extreme Sonneneinstrahlung, südexponiert, Trockenheit, Vegetationskonkurrenz (grasig). In den ersten Jahren nach den Zwangsnutzungen machten wir Bekanntschaft mit dem Rüsselkäfer. Dieser knabberte an Rinde und Bast der gepflanzten Bäumchen, was zum Absterben der Pflanzen führte. Dieser Schädlingsbefall beschränkte sich jedoch nur auf die ersten Jahre und die Stellen rund um die frischen Stöcke der gefällten Bäume. Grosse Bedenken kamen aber auf, als alle frisch gesetzten Fichten gelb wurden. Praktisch alle Fichten erholten sich in den Folgejahren jedoch von diesem Pflanzschock. Anfangs wurden jährlich rund 3500 Pflanzen, mehrheitlich Fichten, gepflanzt. Auch heute noch werden Nachpflanzungen ausgeführt. Auch mit dem Ziel, um weitere Baumarten, wie Bergahorn, Eiche oder Waldföhre einzubringen. Insgesamt wurden nahezu 30 000 Jungpflanzen gepflanzt. Die Jungwuchspflege, das Ausmähen und Aussicheln von hohem Gras rund um die Jungpflanzen, wird jeweils erst im Spätsommer ausgeführt, damit die Jungpflanzen nicht der extremen Sonneneinstrahlung und der Sommerhitze ausgesetzt werden. Im Herbst werden zudem die Jungpflanzen mittels Schafwolle vor Wildverbiss geschützt. Bereits kleine Büschel Schafwolle sind wirksam – zu viel könnte das Austreiben der jungen Triebe behindern.

Standort nach Brand (Mai 2010).
Aktuelle Situation
15 Jahre nach dem Waldbrand zeigt sich die Entwicklung vielerorts positiv. Die folgenden Fotos zeigen am Beispiel eines Standorts die Situation direkt nach dem Brand, nach Ausführung der Zwangsnutzungen und Erstellung der temporären Lawinenverbauungen (1 Jahr) und nach der erfolgreichen Aufforstung (15 Jahre).

Nach Zwangsnutzungen und Erstellung der temporären Lawinenverbauungen (Januar 2011).
Ausblick
Einzelne Teilbereiche ohne Verjüngung müssen noch nachgepflanzt und das Baumartenspektrum erweitert werden. Die Jungpflanzen befinden sich vielerorts bereits anfangs der Dickungsstufe, sind vital und zeigen ein gutes Höhenwachstum. Erste Pflegeeingriffe wurden besprochen. «Zukunftsbäume» sollen im Endabstand herausgepflegt und gefördert werden. Der aufkommende Jungwald ist nach wie vor auf die Schutzwirkung der temporären Lawinenverbauungen angewiesen. Viele Hölzer der Verbauungen werden jedoch bereits morsch und müssen ersetzt werden. Einzelne Werke müssen gar ganz ersetzt werden. Da viele Pflanzen bereits dem Äser der Wildtiere entwachsen sind, reduziert sich der Aufwand für die Wildschadenverhütungsmassnahmen ein wenig. Die kleineren Pflanzen sind nach wie vor auf den Schutz vor Wildverbiss angewiesen.

Erfolgreiche Verjüngung (Juni 2025).
Schlussfolgerungen
Der Aufwand, welcher nötig ist, um die Schutzwirkung auf der relativ kleinen Brandfläche kontinuierlich und nachhaltig zu gewährleisten, ist immens. Es macht jedoch Freude und motiviert für die kommenden Einsätze, wenn man beobachten kann, dass der eingeschlagene Weg Früchte trägt und der Jungwald vielerorts, trotz den extremen Standortbedingungen, vital aufwächst. Bis der Jungwald die Schutzwirkung übernehmen kann, braucht es wahrscheinlich aber weiterhin viel Einsatz und ein paar Jahrzehnte Geduld.

Die Aufforstung gedeiht gut, ist aber noch auf den Schutz der Lawinenverbauungen angewiesen.
Wir hatten Glück, konnten die Feuerwehren den Brand rasch unter Kontrolle bringen. Dank an alle, die bei der Brandbekämpfung im Einsatz standen und bei den Arbeiten in den Verbauungen und im Schutzwald geholfen haben. Unvorstellbar die Auswirkungen, wenn der ganze Schutzwald oberhalb Trin gebrannt hätte. Durch die Klimaerwärmung steigt auch nördlich der Alpen die Gefahr von grossen Waldbränden stetig. Umso wichtiger wird zukünftig die Waldbrandvorsorge, Investitionen in Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren sowie die Verbesserung der Löschwasserinfrastruktur und vor allem eine konsequente Einhaltung der Feuerverbote und Vorsichtsmassnahmen bei Waldbrandgefahr.
Matthias Kalberer ist Regionalleiter der Region 2, Rheintal/Schanfigg, beim Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.







































































