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Vinschgau: zwei enorme Wald­brände im Frühjahr 2025

Im Vinschgau wüteten im März bei Latsch und im April bei Prad-Stilfs zwei Waldbrände mit jeweils gewaltigen Ausmassen. Sie waren nach betroffener Fläche und nach Einsatzkräften sicherlich die grössten in den letzten Jahrzehnten in Südtirol. Der folgende Bericht geht dabei vor allem auf den Ablauf der Löscheinsätze ein, zusätzlich wird die bereits begonnene Massnahmenplanung skizziert. Georg Pircher und Andreas Platter

Ausbruch des Waldbrandes bei Latsch
Am 6. März 2025, um 12.34 Uhr wurde die örtliche Freiwillige Feuerwehr bezüglich eines Fahrzeugbrandes alarmiert. Auf der Strasse nach St. Martin im Kofel war ein Pkw während der Bergauffahrt in Brand geraten. Die Löschversuche des Lenkers scheiterten, und als die Feuerwehr eintraf, waren durch Sträucher am Strassenrand bereits mehrere Bäume in Brand geraten. Leider wehte an diesem Donnerstag ein starker und trockener Südwind, sodass sofort klar war, dass die Alarmstufe erhöht werden musste und der Forstdienst einbezogen wurde.
Der Ausgangspunkt des Brandes befand sich am Vinschgauer Sonnenberg, auf 1170 m Seehöhe, im Übergangsbereich vom Flaumeichen-Kiefernwald zu trockenen Waldkiefernwäldern. Der Winter war recht trocken gewesen, und im gesamten Februar hatte es im Vinschgau nur wenige mm Niederschlag (2,9 mm in Schlanders) gegeben, eine Schneedecke war nur oberhalb von circa 1500 m Seehöhe vorhanden. Dementsprechend war die Waldbrandstufe gelb ausgewiesen.
Die Löschversuche am Boden waren unwirksam, an diesem Südhang mit Föhrenwald weitete sich das Feuer rasch zu einem starken Waldbrand aus. Der erste Löschhubschrauber AS 350 B3 war mit Waldbrandausrüstung Bambi Bucket bereits um 13.20 Uhr vor Ort. Aber auch nach Einsatz eines zweiten Löschhubschraubers wurde klar, dass aufgrund der Intensität und der Geschwindigkeit des Feuers weitere Mittel notwendig würden. Dies auch, da das Feuer mit grosser Geschwindigkeit in nordwestliche Richtung St. Martin im Kofel zog, einem Weiler am Hang mit rund 100 Einwohnern. So wurde entschieden, einen Super Puma AS 332 mit einer Tragkraft von bis zu 4000 kg zu alarmieren und zwei weitere verfügbare Hubschrauber aus Südtirol hinzuzuziehen. Die Landesverwaltung Südtirols hat mit mehreren Hubschrauberfirmen Vereinbarungen, sodass nach Bedarf verschiedene Hubschrauber gerufen werden können und auch die Verfügbarkeit garantiert ist.


Der Brand bei Latsch bald nach Ausbruch. Am rechten Bildrand befindet sich der Ausgangspunkt des Brandes. Die Höfe und Wiesen von St. Martin im Kofel sind bereits nicht mehr sichtbar. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

Evakuierungen notwendig
Aufgrund der unmittelbaren Gefahr für die Häuser, Höfe und Personen in St. Martin sowie der enormen Rauchentwicklung wurde in der Einsatzleitung entschieden, die Bewohner zu evakuieren. In der Einsatzleitung sind neben dem vorsitzenden Bürgermeister die Freiwilligen Feuerwehren, aber auch Rettungsdienste, Berufsfeuerwehr, Forstdienst, Berufsfeuerwehr Bozen, Bevölkerungsschutz und Polizeikräfte vertreten. Parallel zum Löscheinsatz wurden also ab 15.00 Uhr mit den Hubschraubern der Finanzwache und dem Rettungshubschrauber 59 Personen aus St. Martin evakuiert. Gleichzeitig wurden Feuerwehrleute nach oben geflogen, um die Häuser und Höfe abzuschirmen.

Der erste Einsatztag
Am Abend des 6. März hatte sich das Feuer auf fast 100 Hektar Wald ausgebreitet und war bis knapp an einige Höfe von St. Martin herangereicht. Die Verbindungsstrassen waren durch das Feuer unterbrochen, und auch die Seilbahn von Latsch nach St. Martin – in unmittelbarer Nähe des Brandes – konnte nicht mehr verkehren. Für den Löscheinsatz waren ab 17.00 Uhr fünf Hubschrauber im Einsatz, 15 verschiedene Feuerwehren mit rund 300 Feuerwehrleuten, die Berufsfeuerwehr Bozen, Sanitäter, Notfallseelsorge, Zivilschutz zur Verpflegung, Bergrettungsdienst, Polizei und Forstdienst.
Nach einer ersten Einsatzleitung vor Ort im Gelände wurde diese am Nachmittag in die Gebäude am Sportplatz von Latsch verlegt, wo technische Ausrüstung, Glasfaseranschluss, vorhandene Lagerplätze, der Hubschrauberlandeplatz und die Sicht auf die Brandfläche ein gutes und strukturiertes Arbeiten ermöglichten. Der Löscheinsatz wurde im Gelände in drei Brandabschnitte unterteilt, und auf Grundlage der Waldbrandeinsatzkarte konnten die Wasserentnahmestellen für den Hubschrauber organisiert werden. Die Waldbrandeinsatzkarte, welche für Südtirol flächendeckend vorliegt, zeigt auf Orthofotobasis alle relevanten Infrastrukturen wie beispielsweise Löschbecken mit ihren Eigenschaften (Fassungsvermögen, Befliegbarkeit, …), Gewässer, Löschhydranten, mögliche Hubschrauberlandeplätze und Verkehrsinfrastrukturen an.
Für die Wasseraufnahme wurden die in der Umgebung vorhandenen vier Waldbrandlöschteiche genutzt, dazu mobile Faltbecken aufgestellt sowie für das Bambi Bucket des Super Puma die Lösch­wassercontainer der Berufsfeuerwehr mit einem Fassungsvermögen von bis zu 33 000 Liter bereitgestellt. Diese werden normalerweise mit Lkw transportiert, in diesem Fall konnten sie auch per Super Puma platziert werden. Es war herausfordernd, genügend Wasserentnahmestellen für die fünf Hubschrauber zu schaffen und dabei beide Seiten der Brandfläche, als Vorsorge bei drehendem Wind, abzudecken.


Die Brandfläche oberhalb Latsch am frühen Morgen des 7. März. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

Der weitere Löscheinsatz
Glücklicherweise war die Nacht zum 7. März fast windstill, sodass der Brand sich kaum noch ausbreitete. Am Freitag, den 7. März, wurden den ganzen Tag über Löscharbeiten mittels Hubschrauber durchgeführt – natürlich primär an den Rändern, um die Ausbreitung zu verhindern. Da der betroffene Hang steil, sehr steinig und felsig ist und sich darunter die wichtige Staatsstrasse durch den Vinschgau befindet, gab es eine geologische Begutachtung bezüglich Gefahr durch den Brand, aber auch durch den Wasserabwurf.

   
Mit Drohne vermessene Brandfläche bei Latsch. Gut unterscheidbar die Flächen mit Vollbrand und jene mit Bodenbrand. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)                        

    
Der Super Puma füllt sein Bambi Bucket (4000 Liter) im Container der Berufsfeuerwehr. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)

Da sich am Tag wenig Wind entwickelte, konnte der Brand durch den massiven Einsatz aus der Luft (Ab den Morgenstunden stand ein zweiter Super Puma zur Verfügung) eingedämmt und unter Kontrolle gebracht werden. Dem Löschwasser wurde auch Schaummittel (FIRE-TROL® FireFoam® 103B) und den Wasserabwürfen im Randbereich Flammschutzmittel/Retardant FIRE-TROL® 931 beigemischt.
Ab Samstag, den 8. März, wurden in relativ leicht zugänglichen Bereichen entlang der Zufahrtsstrasse nun Feuerwehrleute auch am Boden zum Löschen eingesetzt. So konnten die Löschhubschrauber reduziert werden.
Am Sonntag schliesslich war nur noch ein kleiner Löschhubschrauber im Einsatz, welcher ein Auf­flammen an den Rändern verhindern sollte. In diesem unwegsamen Gelände wurden die Hubschrauber natürlich auch zu Materialtransporten (Pumpen, Schlauchmaterial) eingesetzt. Innerhalb der Waldbrandfläche gingen die Löscharbeiten in Nachlöscharbeiten über. Aufgrund des steilen Geländes mussten die Feuerwehrleute teilweise durch Bergretter gesichert werden.
Ab Sonntag wurden Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt, um die gefährlichen Glutnester im Randbereich dieser so grossen Brandfläche eindeutiger und rascher finden zu können. Über einen Kartendienst am Smartphone konnten die Feuerwehrleute so zielgerichtet die – oft kaum zu erkennenden – Glutnester finden und löschen. Diese Befliegungen fanden morgens oder abends statt, weil sich da der Temperaturunterschied am besten darstellt.


Die Nachlöscharbeiten nach einem derartigen Waldbrand sind intensiv. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)


Die ersten Höfe in St. Martin i. K. waren bereits vom Feuer umgeben. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)

Erste Massnahmenplanung
Eine Drohne des Forstdienstes wurde auch benutzt, um nach dem Löscheinsatz die Fläche genau zu kartieren. Die insgesamt betroffene Waldfläche beträgt 93,2 Hektar, wobei 31,1 Hektar in Vollbrand standen und komplett verkohlt wurden. Das Bodenfeuer hingegen hat mosaikartig die Bäume mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen.
Da es sich um exponierten Schutzwald handelt, wurden rasch Fragen zur forstlichen Massnahmenplanung gestellt. Ein erster Massnahmenplan wurde auch schon bei einer Pressekonferenz am 12. März vorgestellt. Kurzfristig ging es um die Wartung und Instandsetzung der bestehenden Waldbrandinfrastrukturen sowie um die Sicherung der Zufahrtstrassen und in Folge der Wanderwege im Gebiet. Dabei müssen die unmittelbar gefährlichen und instabilen Bäume an den Strassen und Wegen gefällt (wo möglich quergefällt) werden, ebenso die nun oberflächlich locker liegenden Steine an Böschungen abgeräumt werden.
Eine grundlegende mittelfristige Massnahme ist das Monitoring der geschädigten Bäume, der Restwaldbestände, der Rückkehr der Bodenvegetation, der Verjüngung und der Schädlingssituation. Weiters möchte man in prioritären Flächenteilen durch Aufforstung von Laubholz die Umwandlung des Föhrenwaldes in laubholzreichen Mischwald beschleunigen und mit Waldpflegemassnahmen zur Minderung des Waldbrandrisikos beitragen. Darüber hinaus werden auch die notwendigen technischen Massnahmen über Regiearbeiten des Forstdienstes abgewickelt, wie die Instandsetzung einer alternativen «Notzufahrt» nach St. Martin, die Sanierung einer Hofzufahrt durch einen Felsabbruch wegen der Hitze in der Brandfläche oder die Reaktivierung und Vergrösserung eines Löschbeckens oberhalb von St. Martin im Kofel.
Nach intensiven Nachlöscharbeiten konnte erst am 20. März 2025 «Brand aus» gegeben werden, allerdings wurde sogar noch am 21. März ein brennender Baumstamm innerhalb der Brandfläche gesichtet.

Der Waldbrand bei Prad-Stilfs
Keine drei Wochen später, am 10. April 2025, brach um 14.02 Uhr knapp oberhalb des Dorfes Prad wiederum ein Waldbrand aus. Dieser hatte sehr ähnliche Charakteristika und war daher vom Einsatzablauf her vergleichbar.
Auch hier war ein südseitiger, trockener Nadelwald in Brand geraten, welcher sich rasend schnell nach oben ausbreitete und dabei enorme Rauchmengen entwickelte. Vergleichbar mit dem Brand in Latsch galt es hier neben den Löscharbeiten im Wald ebenso Infrastrukturen zu schützen, nämlich den Funk­umsetzer am Gipfel des «Montoni» sowie den äussersten Hof des Nachbardorfes Stilfs in nordwestlicher Richtung. Wiederum betraf der Brand Schutzwald in schwierigem Gelände, sodass sofort mehrere Löschhubschrauber und viele Nachbarfeuerwehren alarmiert wurden.


Der Waldbrand bei Prad-Stilfs bei Anflug des zweiten Hub­schraubers. (Quelle: Axel Gutweniger, Air Service Center, Sterzing)

Am ersten Einsatztag standen vier kleinere Hubschrauber AS 350 B3 sowie ein Super Puma als Löschhubschrauber und für Lastenflüge zur Verfügung. Dabei konzentrierte sich der Einsatz zu Beginn einerseits auf die Eindämmung Richtung Stilfs, andererseits stark auf die Abschirmung des Funkumsetzers, welcher für die Funk- und Telekommunikation im gesamten oberen Vinschgau entscheidend ist. Für das Dorf Stilfs musste wegen der enormen Rauchbelastung eine Zivilschutzwarnung erlassen werden. Teile der Zufahrtstrassen zum Montoni waren im Waldbereich noch schneebedeckt, sodass der Strassendienst die Räumung für die Einsatzfahrzeuge übernehmen musste und die ersten Faltbecken per Hubschrauber nach oben geflogen wurden. Immerhin war das Feuer in nur einer einzigen Stunde vom Ausbruchsort auf 900 m Seehöhe bis auf 1960 m Seehöhe hochgestiegen.


Bild einer Webcam am Abend des 10. April. Im Vorder­grund das Dorf Stilfs. (Bild: Webcam der Ferienregion Ortlergebiet im Nationalpark Stilfserjoch)

Am Freitag, dem zweiten Tag, waren weiter fünf Hubschrauber im Einsatz, sodass im Laufe des Tages das Feuer unter Kontrolle gebracht werden konnte. Am Samstag dann konnten im Randbereich vermehrt auch Feuerwehrleute zur Brandbekämpfung eingesetzt werden, da auch da nun die langen Zuleitungen am Boden verlegt waren.
Die Grösse der Brandfläche (in Summe 145 Hektar) und die Unwegsamkeit des Geländes erschwerten die Nachlöscharbeiten, sodass die Lokalisierung der Glutnester durch die Wärmebilddrohnen wiederum eine grosse Hilfe war. Der forstliche Massnahmenplan ist ähnlich, wobei bereits jetzt zusätzlich eine Aussaat von Pionierbaumarten auf Testflächen versucht wurde.


Bild einer Webcam am Abend des 10. April. Im Vorder­grund das Dorf Stilfs. (Bild: Webcam der Ferienregion Ortlergebiet im Nationalpark Stilfserjoch)

Erfahrungen
Durch den schnellen und massiven Einsatz der Feuerwehren und dank des guten Zusammen­spiels aller Organisationen konnten die Wald­brände von Häusern, Dörfern und wichtigen In­frastrukturen ferngehalten und in den folgenden Tagen eingedämmt werden. In weniger Punkten und stichwortartig kann man unsere Erfahrungen folgendermassen zusammenfassen:
–Vorhandene Waldbrandinfrastruktur (Löschteiche, Ansaugstellen, Anschlüsse, Zufahrten und Plätze, …) erleichtert den Einsatz erheblich
– Übersichten wie die Waldbrandeinsatzkarte sind wichtig, um den Einsatz zu planen, die Lage darzustellen, aber auch, da viele ortsfremde Personen involviert sind
– Einsatzkräfte mit Ortskenntnis sind in schwierigem Gelände unerlässlich
– Reibungslose Zusammenarbeit der Organisationen ist Grundlage für den Erfolg
– Die Hilfsbereitschaft und Solidarität sind im Ernstfall enorm
– Die Schnelligkeit ist entscheidend: Nur im Entstehen kann ein Waldbrand rasch gelöscht werden
– Glück kann nicht schaden, immerhin gab es bei jeweils rund 1400 Einsatzkräften keine Verletzten
– Die Sensibilisierung der Bevölkerung zum gestiegenen Waldbrandrisiko und zur grossen Gefahr, welche von Waldbränden ausgehen kann, muss verstärkt werden

Georg Pircher ist Direktor der Forstinspektorate Meran und Schlanders der Abteilung Forstdienst der Autonomen Provinz Bozen. Andreas Platter ist stellvertretender Direktor am Forstinspektorat Schlanders und war bei den beiden Waldbränden forstlicher Einsatzleiter