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Bündnerwald Oktober 2025

Digitale Zwillinge im AWN

Geoinformationen werden für Entscheidungen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft und im Alltagsleben immer wichtiger. Zudem steigt mit der Digitalisierung die Verfügbarkeit und Vielseitigkeit von Daten mit räumlichem Bezug. Der geografische Raum wird daher zunehmend in digitaler Form repräsentiert, gewissermassen als «Digitaler Zwilling». Die Kantone und so auch das Amt für Wald und Naturgefahren sind dabei für die Erhebung und Bereitstellung von Geoinfor­mationen zuständig. Das AWN gibt einen Einblick in diese Aufgaben und zeigt auf, wo welche Geodaten wie genutzt werden können. Orlando Lanfranchi

Strategie Geoinformation Schweiz
Innerhalb von zwei Jahrzehnten haben sich raumbezogene Informationen zu einem bedeutenden Bestandteil der Raumordnungspolitik auf allen Verwaltungsebenen (Bund, Kanton, Gemeinde) entwickelt. Ein Grossteil der Entscheidungen in Wirtschaft, Politik und Verwaltung hat einen räumlichen Bezug oder basiert gar auf digitalen Modellen der realen Welt. Der geografische Raum wird zunehmend in digitaler Form repräsentiert, gewissermassen als «Digitaler Zwilling». Grundlage dafür sind Geodaten, also digitale Standortdaten, die immer umfangreicher und oft in Echtzeit verfügbar sind.
Diese Geodaten spielen eine zentrale Rolle in der modernen Verwaltung. Deshalb sollen gemäss «Strategie Geoinformation Schweiz» räumliche Daten nicht mehr nur beschafft, aufbereitet, analysiert und verbreitet werden. Vielmehr gilt es, sie anzureichern, indem sie miteinander vernetzt und als wertvolles Wissen über Plattformen zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen ausgetauscht werden. Ergänzend dazu unterstützt die «Open Government Data (OGD) Strategie» der Schweiz die offene, kostenlose und maschinenlesbare Bereitstellung von Verwaltungsdaten, darunter auch Geodaten.


Lawinenverbauung am Schiahorn bei Davos. (Bild: SLF, Stefan Margreth)


Digitaler Zwilling der Lawinenverbauung am Schiahorn. (Bild: AWN, Orlando Lanfranchi)

Die Rolle der Kantone
Die Kantone spielen bei der Umsetzung der «Strategie Geoinformation Schweiz» eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit dem Bund sorgen sie dafür, dass all diese Geodaten erhoben und bereitgestellt werden. Die gesetzliche Grundlage dazu bildet das Geoinformationsgesetz (GeoIG), welches den rechtlichen Rahmen für den Umgang mit Geoinformationen in der Schweiz regelt. Ziel des Gesetzes ist es, Geodaten über die gesamte Schweiz Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft breit, nachhaltig, aktuell, rasch, einfach, in der erforderlichen Qualität und zu angemessenen Kosten zur Verfügung zu stellen. Das GeoIG regelt dabei nicht nur die Bereitstellung, sondern auch die Erfassung, Verwaltung und Nutzung von Geodaten.
Die Kantone sind insbesondere für die Erfassung und Bereitstellung von Geobasisdaten verantwortlich. Geobasisdaten sind gesetzlich definiert als Geodaten, die auf einem Recht setzenden Erlass des Bundes, des Kantons oder einer Gemeinde beruhen. Sie bilden die Grundlage für zahlreiche raumbezogene Fachanwendungen, wie zum Beispiel den ÖREB-Kataster, und sind im Geobasisdatenkatalog (geobasisdaten.ch) festgehalten.


Das GIS-Team des AWN: Inès Buschmann, Andreas Summer, Micaela Dassié (Praktikantin), Armin Rieder, Silvia Stolz, Orlando Lanfranchi (v.l.n.r). (Bild: AWN, Ines Scherrer)

Um eine schweizweite Harmonisierung und technische Interoperabilität zu gewährleisten, verpflichtet das GeoIG die zuständigen Stellen von Bund und Kantonen, für die Geobasisdaten sogenannte Geodatenmodelle zu erstellen und anzuwenden. Diese Geodatenmodelle sind eine Abbildung der Wirklichkeit und legen Struktur und Inhalt von Geodaten systemunabhängig fest. Erstellt werden sie in der Modellierungssprache INTERLIS [1], was nebst einer einheitlichen Definition der Datenstruktur auch das Festlegen qualitativer Kriterien erlaubt.
Die Kantone definieren neben den bundesrechtlich vorgegebenen minimalen Geodatenmodellen (MGDM) auch eigene kantonale Geodatenmodelle (kGDM), um spezifische kantonale Anforderungen und Gegebenheiten abzubilden. Diese kantonalen Modelle dienen dazu, Geobasisdaten, die auf kantonalem Recht beruhen oder für kantonale Aufgaben relevant sind, ebenfalls strukturiert und einheitlich zu erfassen, zu verwalten und bereitzustellen. Kantonale Geodatenmodelle können zudem die bundesrechtlichen Minimalmodelle erweitern, um zusätzliche Informationen oder Detailtiefe für kantonale Zwecke zu integrieren.

Geobasisdaten im AWN
Das AWN ist für verschiedene Geobasisdaten nach Bundesrecht zuständig. Um die Aufbereitung der verschiedenen Themen gemäss MGDM in den Kantonen koordiniert und im gleichen zeitlichen Rahmen aufzubereiten, gibt die Konferenz der kantonalen Geoinformations- und Katasterstellen (KGK) eine Umsetzungsplanung vor. Diese zielt darauf ab, die zur Verfügung zu stellenden Geobasisdaten zu priorisieren und damit eine Kosten-Nutzen optimierte, und eine möglichst zeitgerechte, schweizweite und flächendeckende Bereitstellung der Geobasisdaten in Zuständigkeit der Kantone zu ermöglichen.

Für die Geobasisdaten nach Bundesrecht wurden bereits folgende minimalen Geodatenmodelle durch das AWN umgesetzt:

  • Gefahrenkarten
  • Naturereigniskataster
  • Waldreservate
  • Rodungen und Rodungsersatz
  • Holznutzungsbewilligung

Daneben führt das AWN zahlreiche Geobasisdaten nach Kantonsrecht. Die entsprechenden kantonalen Geodatenmodelle werden in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt und bereitgestellt.
Innerhalb des AWN werden die Fachbereiche bei der Umsetzung all dieser Arbeiten durch das GIS-Team unterstützt. Inès Buschmann, Silvia Stolz und Armin Rieder übernehmen dabei Digitalisier- und Nachführungsarbeiten. Andreas Summer ist fürs Datenmanagement und die Erstellung der entsprechenden Schnittstellen für die Überführung der Geodaten in die Geodatenmodelle zuständig.
Die fertig umgesetzten Datenmodelle werden auf verschiedenen Plattformen publiziert und als Darstellungs- und Downloaddienste zur Verfügung gestellt.

Publikation auf verschiedenen Plattformen
Das offizielle Geoportal der kantonalen Verwaltung bietet Zugang zu Geoinformationen in Form von Geodaten, interaktiven Karten sowie Geodiensten wie WMS [2] und WFS [3]. Nebst Geobasisdaten publiziert das AWN dort auch viele weitere Geodaten für die öffentliche Nutzung. Eine vollständige Übersicht aller verfügbaren Karten und Dienste ist dem kantonalen Geodatenkatalog zu entnehmen.
Der Kanton stellt demnächst zwei Kartenviewer für den Zugriff auf öffentliche Geodaten zur Verfügung. Einer richtet sich an Fachspezialistinnen und Fachspezialisten sowie Dienststellen der kantonalen Verwaltung und bietet den bisherigen Funktionsumfang und die gewohnte Struktur. Der zweite Viewer ist für die breite Öffentlichkeit konzipiert, mit inhaltlich zusammengefassten und thematisch vereinfachten Kartenansichten. Diese öffentliche Ansicht wird den bisherigen GIS-Viewer der GeoGR AG ablösen.
Im Zuge der oben genannten Anpassungen wird die GeoGR AG, welche im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft einen Teil der zentralen Geodatendrehscheibe des Kantons betreibt, den Geodaten-Shop vollumfänglich neu konzipieren und optimiert anbieten. So wird es zum Beispiel einen direkten Absprungpunkt aus den interaktiven Karten in den Shop geben. Das Shop-Angebot umfasst, sofern vorhanden, die kantonalen Geodatenmodelle. Steht für ein Thema kein kantonales Geodatenmodell zur Verfügung, wird das minimale Geodatenmodell (MGDM) integriert. Nicht im Shop enthaltene Geodaten können weiterhin als Spezialprodukte bestellt werden. Diese Anfragen werden an die zuständigen Dienststellen weitergeleitet; im Falle des AWN bereitet das GIS-Team die Daten auf und stellt sie anschliessend über den Geodaten-Shop bereit.
geodienste.ch ist das zentrale, interkantonale Portal für die aggregierte Bereitstellung von Geobasisdaten. Die Kantone sind verpflichtet, ihre Geobasisdaten nach Bundesrecht im MGDM auf geodienste.ch zu publizieren. Sie bietet einen zentralen Zugang zu einer Vielzahl von Geobasisdaten für die gesamte Schweiz. Die Daten werden in standardisierten Formaten und Diensten bereitgestellt.
Zurzeit lanciert der Bund mit SWISSGEO eine neue Plattform, wo Bund und Kantone künftig ihre Geoinformationen und Geodaten vereint an einem Ort zur Verfügung stellen werden. In mehreren Entwicklungsphasen werden verschiedene Plattformen, unter anderem auch geodienste.ch, zusammengeführt. SWISSGEO wird so die neue, zentrale Referenz für Geoinformation in der Schweiz.
Der ÖREB-Kataster (Kataster der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen) ist ein offizielles, interaktives Informationssystem, das die wichtigsten öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen auf Grundstücken in der Schweiz zusammenzieht. Dazu zählen beispielsweise Vorgaben aus Raumplanung, Infrastruktur und Umweltschutz, wie etwa die Waldreservate des AWN (siehe Artikel «ÖREB-Kataster um Waldreservate erweitert», ab Seite 20).

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KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.   Kantonales Geoportal
              ​geo.gr.ch

 

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​              map.geo.gr.ch

 

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katalog.geo.gr.ch

 

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geogr.ch

 

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oereb.geo.gr.ch

 

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swissgeo.ch

 

Fazit
Zusammengefasst schafft das Geoinformationsgesetz flankiert von der «Strategie Geoinformation Schweiz» und der «Open Government Data Strategie» einen klaren Rechts- und Handlungsrahmen für die Erfassung, Verwaltung, Bereitstellung und Nutzung von Geo(basis)daten in der Schweiz. Die Erstellung und Anwendung minimaler Geodatenmodelle sorgt für eine schweizweite Standardisierung, während die Kantone eine zentrale Rolle in der Organisation, Umsetzung und Bereitstellung der Geoinformationen spielen.

Orlando Lanfranchi ist seit Januar 2024 Leiter Geoinformatik und GIS-Verantwortlicher im Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden. Er ist gelernter Informatiker und hat zudem Geologie an der ETH Zürich studiert. Nach einigen Arbeitsjahren als Ingenieurgeologe im Raum Zürich und der Innerschweiz ist er bei Grün Stadt Zürich, dem Stadtzürcher Pendant des AWN, in die GIS-Welt eingetaucht. Aufgrund seiner letzten Tätigkeit als Projektleiter beim GIS-Kompetenzzentrum des Kantons Graubünden bringt er eine langjährige und vielseitige Erfahrung im kantonalen GIS mit.

Antonio Crisci, AWN

 

[1] INTERLIS ist in der Schweiz der gesetzlich verankerte Standard zu Modellierung und Austausch von Geoinformationen.
[2] Ein WMS-Dienst (Web Map Service) stellt Geodaten als Kartenbilder im Internet bereit.
[3] Ein WFS-Dienst (Web Feature Service) ermöglicht den direkten Zugriff auf die zugrunde liegenden, bearbeitbaren Geodaten.

Den Gletschern auf der Spur

Um die Veränderungen der Gletscher zu dokumentieren, ist den Gletscherforschern jedes Werkzeug recht. Mussten sie sich vor 100 Jahren noch mit einfachen Hilfsmitteln begnügen, kommen heute Luftaufnahmen mit hochauflösenden Kameras, Satellitenbilder, GPS-Geräte und Drohnen zum Einsatz. Nina Zoller

In der Schweiz gehen die ersten Gletschermessungen auf den ersten eidgenössischen Forstinspektor Johann Wilhelm Coaz (1822–1918) zurück. Coaz, Multitalent in Sachen Forstwirtschaft, Gebirgstopografie, Meteorologie und Lawinenkunde, führte Gletschermessungen durch, die auch in die Dufourkarten, die ersten amtlichen topografischen Karten der Schweiz, eingeflossen sind. Damit begannen die Gletschermessungen in einer Zeit, als die Gletscher noch weit in die Täler hinabflossen und bedrohlich gross und nah erschienen.


Gletschermessung mit der Drohne am Glatscher da Punteglias, 2022. (Bild: Armin Rieder)

Seit 1880 werden auch bereits klimabedingte Veränderungen der Gletscher in der Schweiz systematisch erfasst. Initiiert durch – natürlich – Coaz erfasst seitdem in Graubünden der kantonale Forstdienst, heute Amt für Wald und Naturgefahren (AWN), die Gletscherdaten regelmässig. Dabei werden 19 Gletscher von Mitarbeitenden des AWN in Graubünden beobachtet. Die Messungen sind gleichzeitig Teil des Schweizerischen Gletschermessnetzes (Glacier Monitoring in Switzerland, GLAMOS), das aus Beobachtern der kantonalen Forstämter, von Forschungseinrichtungen und des Privatsektors besteht.
Ziel von GLAMOS ist es, die Veränderungen der Gletscher der Schweiz systematisch und langfristig zu beobachten und zu erforschen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für Forschung, Politik und Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Gletscherveränderungen zählen zu den besten Indikatoren, um Klimaschwankungen zu erkennen. Die Daten von GLAMOS sind öffentlich zugänglich und gelten als Referenz für die Gletscherentwicklung in der Schweiz. Die Gletschermessungen des AWN sind inklusive Fotos auch auf dem kantonalen Geoportal einzusehen.


Drohnenfoto des Punteglias-Gletscher (Glatscher da Punteglias)2022. (Bild: Flurin Cathomas)                          


Momentaufnahme mit der Drohne beim Surettagletscher, 2024. (Bild: Cristina Fisler)


Die Autorin Nina Zoller misst die Gletscherzunge am Vorabgletscher (Glatscher dil Vorab) mit dem GPS-Gerät ein, 2024. (Bild: Renato Deflorin)

Diese Drohnenaufnahme aus dem Jahr 2024 zeigt einen Ausschnitt der Gletscherzunge des Porchabella-Gletschers (Vadret da Porchabella) mit den jährlichen eingemessenen Gletscherlinien. (Bild: Iris Castelberg)      

In der ganzen Schweiz werden jährlich an rund 100 Gletschern die Längenänderungen gemessen, um langfristige Veränderungen zu dokumentieren. Dazu verwendet GLAMOS bei rund 20 Gletschern Luftbilder, die vom Bundesamt für Landestopografie der Schweiz oder privaten Unternehmen erworben werden. An den anderen Gletschern werden In-situ­Feldmessungen, also Messungen direkt vor Ort, durchgeführt.
Im Ergebnis sollen durch die verschiedenen Messungen der Gletscherlängenvariationen alle Regionen der Schweiz und alle verschiedenen Gletschertypen abgedeckt werden.
Darüber hinaus werden bei ausgewählten Gletschern wie dem grossen Aletschgletscher, dem Allalin, Clariden, Basòdino, Giétro, Gries, Plaine Morte oder Silvretta in aufwendigeren Messungen ausserdem die Massenbilanz und die Fliessgeschwindigkeit erfasst. Dazu wurden Stangen in das Eis gebohrt, die eine genaue lokale Beobachtung der Eisschicht über einen bestimmten Zeitraum ermöglichen. Diese einfache Methode hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist bis heute ähnlich geblieben. Das bedeutet eine hohe zeitliche Konsistenz für die Analyse langfristiger
Massenbilanzzeitreihen.
Im Abstand von fünf bis zehn Jahren wird darüber hinaus mit Daten des Bundesamts für Landestopografie das Eisvolumen für eine grosse weitere Zahl an Gletschern bestimmt und alle sechs Jahre ein neues Inventar aller Gletscherflächen erstellt.


Die Aufnahmen von ca. 1930 und 2023 zeigen den Rückgang des Palü-Gletschers (Vadret da Palü). (Bilder: A. Pedrett (um 1930) (oben) und Gilbert Berchier (2023) (unten))

Drohnen im Einsatz
Nachdem in den Anfängen der Gletschermessungen noch Kompass und Massband zum Einsatz gekommen sind, nutzt das AWN in Graubünden heute bei den 19 Gletschern zur «Inventur» im Herbst, immer zum Ende des hydrologischen Jahres, alle technischen Möglichkeiten. Seit rund 20 Jahren werden Punkte an der Gletscherzunge mit GPS-Geräten erfasst, seit wenigen Jahren auch mit Drohnen. So können heute effizient georeferenzierte Luftbilder erstellt werden, auf denen der Gletscherrand kartiert wird. Die Drohne fliegt dabei im Bereich der Gletscherzungen einen programmierten Pfad ab und macht dabei eine grosse Zahl Bilder, deren Daten zu einem Orthofoto aufbereitet werden. Dieses massstabsgerechte Bild hat keine perspektivische Verzerrung mehr und ist eindeutig geografisch verortet. So hat jedes Pixel Koordinaten im realen Raum. Ausserdem kann das Bild damit in ein Geografisches Informationssystem (GIS) integriert werden.

So lassen sich die 19 erfassten Gletscherzungen nicht nur genauer, sondern auch effektiver und sicherer messen, fotografieren und dokumentieren.
Mithilfe der Drohnen können auch Gletscherzungen wieder vermessen werden, die sich in immer steilere unzugängliche Felsflanken und -riegel zurückgezogen haben oder die aufgrund von dauerndem Stein- und Eisschlag nicht mehr gefahrlos begangen werden können. Dies gilt in Graubünden zum Beispiel für den Vadret da Cambrena am Berninapass und den Glatscher da Punteglias in der Surselva. Für Letzteren fehlen daher zwischen 2018 und 2022 die Messungen.
Eine Herausforderung stellt selbst mit Drohnen weiter die Vermessung von stark zurückgegangenen Gletschern wie des Vadret da Lischana im Unterengadin dar. Dieser ist fast ganz abgeschmolzen, und das Resteis ist unter dem überlagernden Schutt kaum noch sicht- und damit auch nicht mehr messbar.
Im Rahmen der Gletschermessungen erfasst und beurteilt das AWN in Graubünden auch das Gefahrenpotenzial der Gletscher und ihres Umfeldes. So werden mögliche neue Wasserläufe, Gletscherseen oder andere gefahrenrelevante Phänomene dokumentiert und bewertet. Sie können bei Bedarf, zum Beispiel durch eigens installierte Webcams, weiter überwacht werden.
So wird auf dem Vadret Calderas, auf dem Gemeindegebiet von Bever, ein Gletschersee beobachtet, der sich im Sommer 2024 durch eine Schneewechte über den natürlichen Abflussriegel hinaus aufgestaut hat und Richtung Alp Felix ausgebrochen ist.
In Graubünden gehört der Vadret da Morteratsch zu den am längsten beobachteten Gletschern. Seine Messreihe beginnt 1878, seit 1883 werden die Längenänderungen kontinuierlich erfasst. Der Gletscher im Engadin erreichte seine grösste Ausdehnung der letzten kleinen Eiszeit im Jahr 1857 und reichte damals fast bis zum heutigen Standort des Bahnhofs Morteratsch der Rhätischen Bahn. Seitdem hat er sich um mehr als 3000 Meter zurückgezogen. Allein im Jahr 2024 verlor der Vadret da Morteratsch etwa 53 Meter an Länge.
Dramatisch ist die Situation auch am Vadret Calderas oder dem Paradiesgletscher am Rheinwaldhorn, wo sich grosse Teile des Eises komplett vom Hauptgletscher abgetrennt haben und sich damit das Ende der zusammenhängenden Eismasse schlagartig um mehrere Hundert Meter verlagert hat.

Nina Zoller ist Geologin beim Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.

Quellen
GLAMOS Homepage https://glamos.ch/

Internetseiten

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KI, Cloud-Plattformen und Echtzeitdaten - was bringt uns die Zukunft?

In Zukunft wird die technologische Entwicklung – nicht nur im GIS-Bereich – die heutigen Anwendungen grundlegend verändern. Cloud-Plattformen, KI und Echtzeitdaten eröffnen neue Wege, nicht nur in unserer Arbeitswelt. Viele Bereiche der Gesellschaft werden geprägt sein vom technologischen Fortschritt. Der Artikel gibt einen groben Ausblick in zukünftige Möglichkeiten. Orlando Lanfranchi

Cloud-basierte Lösungen werden kollaboratives Arbeiten zwischen Behörden und externen Partnern vereinfachen. Die Strategie Geoinformation Schweiz treibt die Standardisierung voran – etwa durch den OREB-Kataster –, um bundesweit einheitliche Datenformate zu gewährleisten. Kantonale Dienststellen können so nahtlos mit spezialisierten Unternehmen zusammenarbeiten, etwa bei der Entwicklung massgeschneiderter Fachapplikationen.
Künstliche Intelligenz automatisiert Routinetätig­keiten: von der Datenerfassung bis zur Mustererkennung in Geodaten. Dies erlaubt es Verwaltungen, Ressourcen für komplexe Analysen zu bündeln. Sensornetzwerke liefern zudem Echtzeitdaten, die direkt in Monitoring-Systeme fliessen und dynamische Entscheidungen unterstützen.


KI-generiertes Bild zum Thema «Augmented Reality im Wald». (Bild erstellt mit Perplexity AI am 22.06.2025)

Neue Arbeitsweisen
Digitale Zwillinge schaffen virtuelle Modelle realer Gebiete, die Szenariosimulationen ermöglichen. Sie helfen, Massnahmen präzise zu planen und Risiken frühzeitig zu identifizieren. Mobile GIS-Tools wie AR-Apps [1] erlauben zudem dezentrales Arbeiten im Feld, während zentrale Plattformen den Austausch zwischen Fachabteilungen verbessern.

Rolle der öffentlichen Verwaltung
Die Schweizer Geoinformationsstrategie priorisiert drei Kernbereiche:
- Datenhoheit der Kantone bei bundesweit harmonisierten Standards,
- Open-Data-Prinzipien für Basisdaten wie Orthofotos oder Höhenmodelle,
- Innovationsförderung, insbesondere für KI-gestützte Lösungen und Cloud-Infrastrukturen.
- Diese Rahmenbedingungen erleichtern die Zusammenarbeit mit externen Partnern und beschleunigen die Digitalisierung.

Fazit
GIS entwickelt sich zum zentralen Werkzeug für ­effiziente Verwaltungsprozesse. Cloud-Integration, KI und Echtzeitanalysen werden künftig Standard sein – gestützt auf die Schweizer Geoinformationsstrategie.


Selbstporträt des KI-Assistenten Perplexity. (Bild erstellt mit Perplexity AI am 24.6.2025)

Vielleicht haben Sie es bemerkt, bis hierhin wurde dieser Artikel ausschliesslich durch ein KI-Assistenzsystem (Perplexity, Stand Juni 2025) generiert. Ich habe diesen Assistenten gebeten, einen Artikel über die Zukunft im Bereich GIS zu schreiben. Der generierte Text umschreibt jedoch Möglichkeiten, die heutzutage bereits erfolgreich eingesetzt werden: Cloud-basierte Fachapplikationen wie den Walderschliessungskataster, KI-Analysen für die automatische Lawinenerkennung sowie Echtzeitdaten zur Überwachung der Rutschung Brienz. Diese werden sich in unserer Arbeitswelt in naher Zukunft breit etablieren. Es ist nur eine Frage der zeitlichen Perspektive. Ich habe den KI-Assistenten darauf hingewiesen. Seine Antwort darauf ist wie folgt:

Deine Beobachtung ist zutreffend – viele der heute diskutierten GIS-Entwicklungen (Cloud-Plattformen, KI-Analysen) sind bereits im Einsatz. Für einen Blick in die fernere Zukunft (15–20+ Jahre) skizziere ich radikale Veränderungen, die über aktuelle Trends hinausgehen:

Blick in die Zukunft: Wie GIS unsere Arbeit revolutionieren wird
Die Entwicklung der Geoinformationssysteme (GIS) schreitet rasant voran. Was heute als innovativ gilt – etwa Cloud-Plattformen, KI-gestützte Analysen oder mobile GIS-Apps – wird in naher Zukunft zum Standard gehören. Doch der eigentliche Wandel steht erst bevor: In den nächsten 15 bis 20 Jahren werden autonome Systeme, globale Vernetzung und neue Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine die GIS-Landschaft und damit auch unsere Arbeit grundlegend verändern.

Autonome GIS-Systeme: Von der Unterstützung zur Eigeninitiative
Künstliche Intelligenz wird nicht mehr nur assistieren, sondern eigenständig Entscheidungen treffen. Zukünftige GIS-Infrastrukturen werden sich selbst optimieren: Sie erkennen Fehler in Datensätzen, schliessen Lücken automatisch und aktualisieren sich kontinuierlich mit neuen Informationen. Komplexe Szenarien – beispielsweise zu langfristigen Umweltveränderungen oder Infrastrukturprojekten – werden von der KI eigenständig simuliert und bewertet. Die Systeme empfehlen Handlungen, die auf umfassenden Datenanalysen und Prognosen basieren. Die Rolle der Fachleute verschiebt sich dadurch zunehmend von operativen Aufgaben hin zur strategischen Steuerung und Kontrolle dieser Prozesse.


KI-generiertes Bild zum Thema «neue Mensch-Maschine-­Schnittstellen». (Bild erstellt mit Perplexity AI am 22.6.2025)

Globale Datenökosysteme: Nahtlose ­Vernetzung und Datenaustausch
GIS wird Teil eines weltweiten Datenökosystems. Satelliten, Drohnen und Sensoren liefern in Echtzeit riesige Mengen an Umweltdaten, die automatisch in die Systeme eingespeist werden. Der Datenaustausch zwischen Behörden, Forschungseinrichtungen und Unternehmen erfolgt automatisiert und sicher, beispielsweise über blockchain[2]-basierte Protokolle. Die Datenhoheit der Kantone bleibt dabei gewahrt, während gleichzeitig ein offener und effizienter Informationsfluss gewährleistet wird. Diese Vernetzung ermöglicht es, komplexe Fragestellungen gemeinsam und grenzüberschreitend zu bearbeiten.

Neue Mensch-Maschine-Schnittstellen: Intuitive Interaktion mit Geodaten
Die Art und Weise, wie wir mit Geoinformationen arbeiten, wird sich grundlegend verändern. Brain-Computer-Interfaces könnten es ermöglichen, GIS-Anwendungen direkt mit Gedanken zu steuern. Holographische Projektionen machen räumliche Daten greifbar und erlauben es, Planungsprozesse oder Simulationen im Raum zu erleben. Diese neuen Schnittstellen machen die Arbeit nicht nur effizienter, sondern auch intuitiver und zugänglicher.

Strategische Herausforderungen für die öffentliche Verwaltung
Mit diesen technologischen Fortschritten gehen neue Anforderungen einher. Die Strategie Geoinformation Schweiz muss dynamische Datenstandards entwickeln, die mit dem schnellen Wandel Schritt halten. Ethische Rahmenwerke werden notwendig, um den verantwortungsvollen Einsatz autonomer KI-Systeme zu gewährleisten. Zudem wird die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und internationalen Partnern immer wichtiger, um die Chancen globaler Datenökosysteme zu nutzen und gleichzeitig die eigene Souveränität zu sichern.


KI-generiertes Bild zum Faktor Zeit. (Bild erstellt mit Perplexity AI am 24.6.2025)

Fazit
Die Zukunft der Geoinformation ist geprägt von Automatisierung, globaler Vernetzung und neuen Interaktionsmöglichkeiten. Für die öffentliche Verwaltung bedeutet das: weniger operative Datenerfassung, mehr strategische Steuerung und ethische Verantwortung.

Hier endet die Antwort vom KI-Assistenten
Im Vergleich zur ersten Textpassage fordert die zweite Antwort vom KI-Assistenten unser Vorstellungsvermögen und unsere Kreativität deutlich mehr. Allerdings war ich etwas erstaunt, dass die dreidimensionale Darstellung von Geodaten in diesem Zusammenhang offensichtlich nicht oder nicht genügend relevant ist. Entweder hatte der KI-Assistent aufgrund meines Chat-Verlaufs das «Gefühl», dass dies für mich momentan von geringem Interesse ist, oder aber, dass für ihn Autonomie, Vernetzung und neue Schnittstellen radikalere Veränderungen darstellen. Mittelfristig gesehen, gewinnt für uns aber die multidimensionale Darstellung von Geodaten zunehmend an Bedeutung. Digitale Zwillinge von Landschaften, Städten oder Infrastrukturen werden es uns ermöglichen, Prozesse realitätsnah zu simulieren und komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen. In vielen Bereichen werden so 3D- und zeitlich dynamische («4D») Geodaten neue Perspektiven eröffnen.

Anhand dieser Gewichtung der Relevanz sowie dem Faktor Zeit verdeutlichen uns die Antworten des KI-Assistenten exemplarisch, dass künstliche Intelligenz heute vorerst nur so leistungsfähig ist, wie wir sie aktuell verstehen und zu nutzen wissen.
In den kommenden Jahrzehnten wird die technologische Entwicklung – nicht nur im Bereich GIS – die heutigen Anwendungen weit übertreffen. Autonome Systeme, globale Datenökosysteme und völlig neue Mensch-Maschine-Schnittstellen werden nicht nur unsere Arbeitswelt grundlegend verändern. Viele Bereiche der Gesellschaft werden geprägt sein vom technologischen Fortschritt. Wie schnell wir uns von den gegenwärtigen Möglichkeiten hin zu den Herausforderungen der Zukunft bewegen, bleibt offen. Entscheidend wird sein, dass wir diesen Wandel verantwortungsvoll gestalten und dabei sowohl Chancen als auch Risiken im Blick behalten.

Orlando Lanfranchi ist Leiter Geoinformatik im Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.
Perplexity AI, generatives KI-Modell, Version Juni 2025. Text erstellt am 22.6.2025.

[1] Augmented Reality (AR) ist eine Technologie, bei der digitale Elemente – wie Bilder oder Informationen – in Echtzeit in die reale Welt eingeblendet werden, zum Beispiel über das Smartphone oder eine spezielle Brille. So sieht man auf dem Bildschirm oder durch die Brille zusätzlich zur realen Umgebung virtuelle Dinge, die dort eigentlich nicht sind.

[2] Blockchain ist eine digitale Kette von Datenblöcken, die dezentral auf vielen Computern gespeichert wird und Transaktionen fälschungssicher, transparent und ohne zentrale Kontrolle dokumentiert. Entsprechende Protokolle stellen sicher, dass viele Teilnehmer somit ohne zentrale Kontrolle vertrauensvoll zusammenarbeiten und digitale Werte (heute z. B. Kryptowährungen, morgen Geodaten) sicher austauschen können.

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