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Bündnerwald April 2026

Die Nollaverbauungen im Wandel – Ersatzneubau der Sperre 8

Die Nolla zählt zu den dynamischsten und gefährlichsten Wildbächen der Schweiz. Hochwasser mit grossen Geschiebefrachten prägen das Einzugsgebiet seit Jahrhunderten. Entsprechend wichtig ist der Wildbachverbau mit seinen zahlreichen Sperren, die grosse Geschiebemengen zurückhalten, die Talflanken stabilisieren und damit Siedlungen und Infrastruktur schützen. In der jüngsten Instandsetzung 2022–2024 wurden zentrale Abschnitte erneuert und die Schutzwirkung der Sperrenkette für künftige Ereignisse gesichert. Kernstück war der Ersatzneubau der Sperre 8, welche als erstes Bauwerk an der Nolla konsequent auch auf seitliche Rutschkräfte ausgelegt wurde.

Einzugsgebiet und Geologie
Das rund 30 km² grosse Einzugsgebiet der Nolla liegt südwestlich von Thusis und markiert die Grenze zwischen dem Heinzenberg im Norden und dem Piz Beverin sowie dem Val Schons im Süden. Ihre beiden Quellbäche, die Wiss und die Schwarz Nolla, vereinigen sich auf einer Höhe von 1120 m ü. M. und münden bei Thusis auf etwa 680 m ü. M. in den Hinterrhein.
Geologisch ist das Gebiet durch instabile Formationen und Hangbewegungen geprägt. Es besteht überwiegend aus Mergelschiefer und Kalkphylliten mit Sandsteineinlagerungen. Während die rechte Talseite den Bündnerschiefer-Decken zugeordnet wird, ist die linke Talseite durch Sackungen geprägt und als Moräne charakterisiert. Diese Instabilität begünstigt Erosion, Rutschungen sowie grosse Geschiebefrachten und macht die Nolla seit Jahrhunderten zu einem gefürchteten Wildbach.

Historische Hochwasser und Gefahren
Historische Quellen berichten wiederholt von heftigen Ereignissen. Bereits 1585 verzeichnete der Chronist Hans Ardüser ein verheerendes Hochwasser, das ganze Landstriche verwüstete. Auch 1705 zerstörte die Nolla mit grosser Gewalt Dämme, Brücken und umliegende Gebiete, was die Region nachhaltig prägte.
Im späten 18. Jahrhundert vertiefte sich das Nollatobel stark, wodurch der Heinzenberg gefährdet wurde und das Dorf Tschappina wegen der fortschreitenden Erosion gar vollständig abzurutschen drohte. Grosse Geschiebemengen verursachten zudem regelmässig Überschwemmungen im Domleschg und zerstörten die wichtige Nollabrücke bei Thusis mehrfach.
Im frühen 19. Jahrhundert untersuchte der damalige Präsident der Linth-Aufsichtskommission, Hans Conrad Escher, die Ursachen der massiven Ero­sionserscheinungen. Er führte die Probleme auf die grossflächige Abholzung der Bergflanken und die unkontrollierte Versickerung von Wasser zurück. 1828 präsentierte der Oberbauingenieur Richard La Nicca ein umfassendes Schutzprojekt, welches nebst der Verbauung der Nolla auch die Kanalisierung des Hinterrheins beinhaltete. Obwohl das Projekt auf grosses Interesse stiess, wurde zunächst nur der Hinterrhein korrigiert, da die finanziellen Mittel für die Verbauung der Nolla fehlten.


Entwässerungskanal aus Holz zwischen Glaspass und Tschappina. (Quelle: Tiefbauamt Graubünden TBA GR, Urheber unbekannt)

Verbauung, Aufforstung und Entwässerung
Erst nach erneuten katastrophalen Hochwassern in den Jahren 1868–1870 begann der Kanton mit der Umsetzung der Verbauungsmassnahmen. 1870/­71 wurden unter der Leitung von Oberingenieur von Salis die ersten drei Sperren errichtet, bis 1901 wuchs das System auf 70 Sperren im gesamten Einzugsgebiet an. Ziel dieser Bauwerke war es, Geschiebe zurückzuhalten und der Rutschung am Heinzenberg durch eine Anhebung der Bachsohle entgegenzuwirken. Ergänzend wurden die kahlgerodeten Bergflanken am inneren Heinzenberg systematisch aufgeforstet und Wasser gezielt über kilometerlange Holzkanäle und Zementschalen aus instabilen Bereichen abgeleitet. 1910 wurde zudem der Lüschersee, der als zusätzlicher Risikofaktor für die Hangbewegungen galt, vollständig über einen unterirdischen Stollen entwässert. Diese Kombination aus wasserbaulichen und forstlichen Massnahmen trug wesentlich zur Beruhigung der Situation bei.


Historische Baustelle an der Nolla. (Quelle: Kulturarchiv Thusis-Viamala KAT, Urheber unbekannt)

Heutige Herausforderungen
Die Verbauungen der Nolla werden bei Hochwassern durch enorme Mengen an Wasser und Geschiebe stark beansprucht. Weil viele der Sperren enorme Mengen Material zurückhalten, hat sich bis heute ein erhebliches Schadenspotenzial aufgebaut. Ein plötzliches Versagen einer solchen Sperre könnte Hunderttausende Kubikmeter Geschiebe mobilisieren und verheerende Schäden an den Verbauungswerken selbst sowie den Schutzgütern im Unterlauf verursachen.
Ab dem Jahr 2020 wurde die Schutzwirkung sämtlicher Sperren in der Nolla überprüft. Dabei wurden die Sperren entsprechend ihrer Funktion im Gesamtsystem als Schlüsselbauwerke und Standardbauwerke beurteilt. Standardbauwerke übernehmen heute keine übergeordnete Funktion mehr im System und werden künftig nicht mehr unterhalten. Bei Schlüsselbauwerken sind der kontinuierliche Unterhalt und die regelmässige Instandsetzung nach wie vor unerlässlich.



Komplett gerodete (oben) und später wiederaufgeforstete Bergflanke (unten) am inneren Heinzenberg. (Quelle oben: Amt für Wald und Naturgefahren AWN GR, Urheber unbekannt. Unten: Schweizerische Luftwaffe 1942)

Instandsetzung 2022–2024
In den Jahren 2022–2024 wurden die zentralen Schlüsselbauwerke instandgesetzt. Bei Sperre 1 wurde die stark abrasierte Abflusssektion mit Granitblöcken erneuert, bei den Sperren 2, 4, 5 und 6 wurden Bauwerksschäden behoben, Abflusssektionen erneuert und Leitwerke repariert. Im Mittelpunkt stand der Ersatzneubau der Sperre 8.


Übersichtskarte mit den Sperren an der Nolla. Schlüsselbauwerke (rot) werden weiterhin unterhalten und instandgesetzt. Standardbauwerke (violett) übernehmen heute keine übergeordnete Schutzfunktion mehr. (Hintergrundkarte: Bundesamt für Landestopografie swisstopo)

Die 1946/47 als Schwergewichtsmauer errichtete Sperre 8 war durch die seitliche Einwirkung von Rutschkräften in ihrer Stabilität stark beeinträchtigt und wurde 2020 zusätzlich durch ein Sommerhochwasser weiter beschädigt. Die Bauwerksüberprüfung zeigte, dass die Gebrauchstauglichkeit der Sperre nicht mehr gewährleistet war und ein Ersatzneubau notwendig wurde.
Mit dem Neubau der Sperre 8 hielt eine neue Generation von Sperrbauwerken Einzug in die Nollaverbauung. Die neue Sperre 8 wurde direkt an die bestehende Sperre angesetzt und ist das erste Bauwerk an der Nolla, das statisch konsequent auch auf seitliche Rutschkräfte bemessen wurde. Eine inte­grierte Vorsperre erhöht die Kippsicherheit und verbessert die Gesamtstabilität.

Planung und Umsetzung der neuen Sperre 8
Der Ersatzneubau wurde so geplant, dass die unterhalb liegende, ebenfalls schadhafte Sperre 7 künftig nicht mehr instandgesetzt werden muss. Die Fundationskote der neuen Sperre 8 ist so tief gewählt, dass selbst bei einem Komplettversagen der unterliegenden Sperre 7 die Stabilität der Sperre 8 gewährleistet bleibt. Zudem wurde die Überfallsektion um 1 m angehoben, wodurch sich oberhalb der Sperre eine höhere Sohlenlage einstellt und die Nettofallhöhe der Sperre 9 auf 2 m reduziert wird. Dadurch entfällt auch die Notwendigkeit zur Instandsetzung von Sperre 9.


Längsschnitt des Ersatzbaus inkl. Vorsperre (grün): der Ersatzbau wurde direkt an die bestehende Sperre 8 (grau) gesetzt. (Plan: B. Schlegel AG)



Vorbereitung der Fundation (Schalung, Bewehrung) der links-eitigen Vorsperrenhälfte und Unterfangungsaushub der bestehenden Sperre 8 für die Baugrube des Seitenflügels.

Die Gesamthöhe der neuen Sperre 8 beträgt 17 m, ihre Nettofallhöhe 13,5 m. Die Sperre ist 43 m breit. Verbaut wurden rund 205 Tonnen Stahl, 1800 ­Kubikmeter Beton sowie 4000 Tonnen Blocksteine. Die Ausführung erfolgte etappenweise während den wasserbaulich günstigen Jahreszeiten Herbst und Frühling. Zunächst wurde die linke Hälfte der Vorsperre, der Seitenflügel sowie die linke Seite der Hauptsperre errichtet. Anschliessend folgte dieselbe Vorgehensweise auf der rechten Seite. In der abschliessenden Bauphase erhielt die Hauptsperre über ihre gesamte Breite ihre endgültige Höhe.


Neue Sperre 8 über die ganze Höhe: vom Fundament bis zum Flügel. (Bild: P. Christen, Gemeinde Thusis)


Setzen der Blocksteine am rechten Leitwerk mit dem Schreitbagger.

Sicherheit und Herausforderungen während des Baus
Zur Sicherung der tiefen Baugrube kamen Bewehrungsnetze, Spritzbeton und Anker zum Einsatz. Die Stabilität der bestehenden Sperre wurde währenddessen laufend mittels Laservermessung überwacht. Zusätzlich sorgte ein Hochwasser-Alarmierungskonzept in Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz für die notwendige Arbeitssicherheit.
Der Bauablauf wurde durch mehrere Hochwasserereignisse beeinträchtigt. Beim Ereignis vom 22.10.2022 wurde die Baugrube mit Geschiebe gefüllt. Drei weitere Hochwasser während der Bauzeit führten dazu, dass die Fertigstellung der Sperre 8 nicht wie geplant im Dezember 2023, sondern erst im Frühjahr 2024 erfolgen konnte.



Neue Sperre 8 nach Bauabschluss mit Sperre 9 im Hintergrund.

Kosten und Finanzierung
Die veranschlagten Gesamtkosten für die Nolla-Instandsetzung 2022–2024 lagen bei 4,0 Millionen Franken. Die Finanzierung erfolgte zu 35 % durch den Bund und zu 30 % durch den Kanton. Die Restkosten wurden von den perimeterpflichtigen Gemeinden Thusis, Tschappina, Urmein, Flerden, Masein, Sils i. D. und Cazis gemäss dem im Jahr 1985 vertraglich geregelten Kostenteiler getragen. Eine zusätzliche finanzielle Unterstützung erhielten die Gemeinden teilweise von gemeinnützigen Organisationen. Die effektiven Gesamtkosten beliefen sich auf 3,8 Millionen Franken, womit die veranschlagten Kosten eingehalten werden konnten.

Christian Vögeli (Verfasser Artikel), Rolf Eichenberger und Ivo Thaler (Projektleitung Instandsetzungsprojekt), arbeiten bei der Auin AG, La-Nicca-Strasse 6, 7000 Chur.

Waldwegsanierung in Mutten im Verbund gemeistert

Durch ein erfolgreiches Teamwork zwischen Forstbetrieb, Lehrlingsbaukurs der Forstwarte und externen Unternehmungen konnte der Waldweg «Hinder brannta Wold» in Mutten fachgerecht instandgesetzt und die Funktions- und Gebrauchstauglichkeit wiederhergestellt werden. Mit den baulichen Massnahmen kann die Zugänglichkeit sowie die Sicherheit für Forstbetrieb aber auch andere Interessensgruppen wieder gewährleistet werden.

In Mutten, Fraktion der Gemeinde Thusis, wurde in der vergangenen Bausaison ein wichtiger Forstweg im Gebiet «Hinder brannta Wold» erfolgreich in­stand gestellt. Die Arbeiten wurden in einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit durchgeführt, an der mehrere meist lokale Akteure beteiligt waren:

  • Kommunaler Forstdienst
  • Forstwartlehrlings-Baukurs
  • Externe Bauunternehmungen


    Abb. 1: Übersichtsplan der ausgeführten Massnahmen, die Massnahme im Muttnertobel befindet sich beim roten Punkt. Die Massnahmen am Waldweg «Hinder brannta Wold» befinden sich bei der roten Linie. Plan nicht massstäblich.(© Kanton Graubünden/GeoGR AG/Swisstopo)

Durch dieses erfolgreiche Teamwork konnte der Waldweg fachgerecht instandgesetzt und die Funktions- und Gebrauchstauglichkeit wiederhergestellt werden. Durch die baulichen Massnahmen kann die Zugänglichkeit sowie die Sicherheit für Forstbetrieb aber auch andere Interessensgruppen wieder gewährleistet werden.
Im Rahmen des Projekts wurde am Waldweg im Muttnertobel eine Schadstelle, die im Jahr 2024 durch einen Steinschlag entstanden war, vorgelagert instand gestellt. Der Weg wurde dadurch wieder nutzbar und insbesondere die Fahrsicherheit im felsigen, steilen Bereich ist damit wieder gesichert.
Das Wiederinstandstellungsprojekt war für Thusis bzw. für Mutten wichtig, da ein grosser Teil der Waldfläche derzeit unternutzt ist und Erschliessungen essenziell für die Bewirtschaftung, den Schutzwald und auch die bestehende Freizeitnutzung sind.
Die Projektidee wurde im Jahr 2022 durch Philip Christen, Revierförster des Forstdiensts Thusis-Masein, gemeinsam mit der Region 4 des Amts für Wald und Naturgefahren (AWN) in Tiefencastel aufgegleist. Ziel war es von Beginn an, ein geeignetes Objekt für einen Lehrlingsbaukurs der Forstwarte zu nutzen und zugleich die Basiserschliessung des gros­sen Waldgebietes «Hinder brannta Wold» wiederherzustellen bzw. zu verbessern.

Ausgangslage

  • Hohe Bedeutung der Waldbewirtschaftung im grossen Projektperimeter
  • Schlechter Zustand der bereits bestehenden Erschliessungswege
  • Bedarf an einer nachhaltigen, langfristig gesicherten Forsterschliessung

Projektziele
Das Hauptziel bestand darin, die Sanierung des Waldwegs mit Fokus auf den bestmöglichen Erhalt vorhandener Infrastrukturen zu planen. Dabei sollten die finanziellen Aufwendungen verhältnismässig und effizient eingesetzt werden, um eine langfristig stabile Erschliessung für die Waldbewirtschaftung zu sichern (Nutzungsintervall ca. alle 10–15 Jahre).
Daher wurden 33 bestehende Infrastrukturelemente des Weges betreffend Zustand und Fortbestehen untersucht. Neun Elemente wurden als intakt eingestuft – hier wurden keine oder nur geringfügige Arbeiten ausgeführt. Bei 24 Elementen wurden zusammenfassend die folgenden Massnahmen zur Sanierung vorgesehen:

  • Räumung und Rodung des Strassenperimeters inkl. betroffene Böschungen
  • Diverse Holzkasten
  • Vermörtelte Bruchsteinmauern nötigenfalls abbrechen und neu aufbauen
  • Zwei fast vollständig übersarte Brücken freilegen und instand stellen
  • Überprüfung bestehende Entwässerung und abhängig vom Zustand erneuern
  • Verankerte Pfahlwände
  • Ersatz Drahtgitterkörbe durch Holzkasten oder Trockenmauer
  • Fahrbahninstandsetzung und Erneuerung Zaunabschrankungen


Abb. 2: Durch Steinschlag zerstörte Fahrbahn im Muttnertobel (links). Instandstellung der Schadstelle mit verankerter Pfahlwand der Josef Gall Forstunternehmung AG (rechts). (Bilder: Gian Barandun)

Projektaufteilung und Beteiligte
Die Arbeiten für den Lehrlingskurs sollten dem Machbaren entsprechen und möglichst vielfältig, interessant und sinnvoll sein. Nachgelagert wurde festgelegt, welche Arbeiten durch den kommunalen Forstdienst bzw. externe Unternehmungen ausgeführt werden konnten. Da die Arbeiten für die Lehrlinge teilweise abhängig von Vorarbeiten durch die Unternehmungen waren, war von allen Beteiligten ein hohes Mass an Flexibilität gefragt.
Die Planung und Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Revierförster, dem AWN sowie den Kursleitern. Die Arbeiten verlangten eine intensive Koordination und Kommunikation von allen Beteiligten.
Aufgrund von Eingriffen in zwei Gewässerläufen wurde während der Projektausarbeitung eine fischereirechtliche Bewilligung beim Amt für Jagd und Fischerei (AJF) eingeholt. Diese wurde unter Auflagen erteilt. Die Umsetzung während der Bauphase wurde mit dem zuständigen Fischereiaufseher laufend abgesprochen.


Abb. 3: Waldweg «Hinder brannta Wold»: Übersarte Brücke Nr. 1 (links) sowie wieder freigelegte und instand gestellte Brücke (rechts).

Bauausführung
Aufgrund der kurzen Bauzeit in Mutten erforderte die Bauausführung eine grosse Koordination und teilweise Kompromissbereitschaft zwischen allen Beteiligten. Zudem konnten die Zufahrtswege nur eingeschränkt gleichzeitig von mehreren Parteien genutzt werden.
Da die Strasse bereits bei Projektanfang durch eine umstürzende Stützmauer beschädigt war, wurden die Arbeiten zuerst durch die Fasolini AG und die Forstunternehmung Josef Gall AG begonnen. Damit konnte für weitere Arbeiten eine sichere Zufahrt gewährleistet werden. Anschliessend fand der Lehrlingsbaukurs der Forstwarte statt. Der Baukurs wurde im Juli 2025 in zwei Gruppen durchgeführt und trotz teils regnerischem Wetter reibungslos abgeschlossen.
Im Anschluss setzten die Fasolini AG und der kommunale Forstdienst die restlichen Sanierungsarbeiten gemäss Zeitplan bis Ende Oktober 2025 um.
In den Abbildungen 2 und 3 werden einige sanierte Elemente im Überblick mit einem Vorher-­Nachher-Vergleich aufgezeigt.
Erstaunlicherweise waren die Brückenplatte, die Widerlager sowie die Flügelmauern der Brücke noch intakt. Die wenigen Risse in der Vermörtelung der Widerlager wurden neu ausgefugt.
Der obere Teil der Bruchsteinmauer war ausgebrochen und drohte abzukippen (Abb. 4). Im hinteren Abschnitt war bereits ein Teil der Bruchsteinmauer ausgebrochen und wurde durch einen Holzkasten ersetzt, welcher bereits ebenfalls wieder morsch war. Die Neuerstellung der Bruchsteinmauer wurde durch die Fasolini AG ausgeführt.


Abb. 4: Bruchsteinmauer neben Brücke Nr. 1.

Im Weiteren lag das Fundament der Bruchsteinmauer frei und wurde bei der Sanierung wieder gesichert.
Zur Zeit der Projektierung der Brücke Nr. 2 war das Objekt fast vollständig übersart, und allfällige notwendige Massnahmen konnten nur vermutet werden (Abb. 5). Während der Freilegung der Brücke zerbrachen Teile des orografisch rechten Widerlagers, und dieses drohte zu kippen. Unter Abstützung wurde das Widerlager in drei Etappen neu auf­betoniert. Die Ausführung erfolgte durch die Fasolini AG.


Abb. 5: Übersarte Brücke Nr. 2 (links). Freigelegte und sanierte Brücke (Mitte und rechts).

Mit dem Lehrlings-Baukurs konnten mehrere Holzkasten gemäss den folgenden Abbildungen erstellt werden:


Abb. 6: Diverse Holzkasten; der Holzkasten bei Objekt 29 wurde passgenau mit Steinen aus den bestehenden Drahtgitterkörben ausgefacht. Beim Bild unten rechts ist auch eine durch den Lehrlings-Baukurs erstellte Trockenmauer zu sehen.

Fazit
Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem kommunalen Forstdienst, den Kursleitenden, den externen Unternehmungen und dem AWN und AJF konnte ein anspruchsvolles Sanierungsprojekt erfolgreich umgesetzt werden. Die Integration eines Lehrlingsbaukurses erwies sich als sehr erfreulich. Die Lehrlinge haben mit dem Baukurs am Endergebnis der Wegsanierung einen massgeblichen Anteil (siehe auch Abbildung 8) beigetragen.


Abb. 7: Teamwork ist angesagt: die Lernenden im Einsatz. (beide Bilder: Flurin Guidon)

Abschliessend ist zu erwähnen, dass im Hintergrund der Ausführung der Massnahmen stets die Devise galt, die Funktion des Waldwegs einzig für Waldbewirtschaftung auszulegen. An diesem Beispiel konnte sehr gut aufgezeigt werden, dass mit zielgerichteten, einfachen Massnahmen die Fahrtauglichkeit sowie Sicherheitsvorgaben für die Waldbewirtschaftung und ggf. auch weiteren Interessensgruppen wieder erfüllt werden können.


Abb. 8: Fertiggestellter Holzkasten mit Steinausfachung des Baukurses.

Gian Barandun und Urs Hemmi, BAP Ingenieure AG, Heinzenbergstrasse 17, 7421 Summaprada.

Die Forstunternehmung Kunfermann Forst AG

Die Forstunternehmung wurde 2013 von Enrico Kunfermann als Einzelfirma gegründet und entwickelte sich seither stetig weiter. Heute wird der Betrieb von Enrico Kunfermann und Mauro Gartmann geführt. Im Zentrum stehen die Holzbringung mit Mobilseilkran, die Sicherheitsholzerei sowie anspruchsvolle Auflichtungsprojekte. Interview mit Mauro Gartmann, Geschäftsführer Kunfermann Forst AG

Kurz ein paar geschichtliche Hintergründe zur Forstunternehmung Kunfermann Forst AG.

Die Forstunternehmung wurde 2013 von Enrico Kunfermann als Einzelfirma gegründet. Bereits Ende des ersten Jahres beschäftigte die Firma drei Forstwarte. In den folgenden Jahren wuchs der Betrieb kontinuierlich – sowohl personell als auch im Maschinenpark, der laufend erweitert und modernisiert wurde. 2019 erfolgte die ­Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Mauro Gartmann stieg in die Geschäftsführung ein. Heute beschäftigt die Forstunternehmung zehn Vollzeitmitarbeitende, zwei Teilzeitangestellte sowie drei Lernende.
Die Kunfermann Forst AG arbeitet mit einem Kombiseilgerät, einem Mobilseilkran, einem Rad­bagger-Prozessor sowie drei HSM Forstspezialschlepper. Ihre Spezialisierung liegt bei der Holzbringung mit Mobilseilkran, der Sicherheitsholzerei sowie bei Auflichtungsprojekten.
Dem Grundprinzip ist das Unternehmen jedoch stets treu geblieben: sicheres, sauberes und pflichtbewusstes Arbeiten.


Kombiseilgerät von Tröstl Seilkräne Türnitz. (Bilder: Fabia Meyer)

In welchen Arbeitsgebieten ist die Forstunternehmung tätig?
Hauptsächlich sind wir in der Region Mittelbünden im Einsatz. Darüber hinaus führen wir Holzschläge im gesamten Kanton Graubünden aus – unter anderem im Schanfigg, im Prättigau, in der Bündner Herrschaft sowie im Bergell.

Was sind typische Arbeiten der Kunfermann Forst AG?
Unsere Kernkompetenz liegt in der Holzernte im Seilkrangebiet. Zusätzlich führen wir sämtliche im Wald anfallenden Arbeiten aus – darunter Pflanzungen, Jungwaldpflege, Jungwuchszäune, Strassenunterhalt sowie die Bekämpfung von Neophyten.


Der TST 800 im Einsatz bei der Bergabseilung in Trans.

Welche Maschinen kommen zum Einsatz und worauf legt die Kunfermann Forst AG bei der Holzernte Wert?
Je nach Auftrag kommt die vom Auftraggeber gewünschte Maschine zum Einsatz. Dabei achten wir konsequent darauf, den verbleibenden Waldbestand und die vorhandene Infrastruktur zu schonen und Schäden so gering wie möglich zu halten.


Bergaufseilung mit einer Tagesleistung von 220 m3.

Was bedeutet für euch naturnaher Waldbau und wie beeinflusst dies eure Arbeit?
Naturnaher Waldbau bedeutet, dass sich der Wald durch Naturverjüngung selbst regenerieren kann – ohne künstliche Schutzmassnahmen oder Pflanzungen. Bei unserer Arbeit achten wir darauf, die bereits bestehende Verjüngung bestmöglich zu erhalten und zu schützen.


Der TST 800 hat eine Nutzlast von 4 t und eine Tragseilspannung von 12 t.

Betreffend Sicherheit und Zeitdruck: Was heisst das für euch?
Egal wie hoch der Leistungs- oder Zeitdruck auch sein mag, wir legen grössten Wert auf Arbeitssicherheit. Unsere oberste Priorität ist, dass jeder Mitarbeiter am Ende des Tages gesund und zufrieden nach Hause geht – Kompromisse gibt es dabei keine.


Radbagger mit Harvesterkopf von TST mit innenliegendem Kettenband für den Vorschub im Einsatz in Präz.

Mit welchen Herausforderungen wird die Forstunternehmung in den nächsten zehn Jahren konfrontiert sein?
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bilden wir selbst Lernende aus. Uns ist es ein grosses Anliegen, durch ein gutes Arbeitsklima Mitarbeiter langfristig zu binden. Dank unseres jungen Teams konnten wir in der Vergangenheit immer wieder motivierte Lehrabgänger gewinnen, was uns besonders freut. Für unsere Firma ist es zudem entscheidend, dass der Rohstoff Holz auch in Zukunft gefragt bleibt, damit die Waldbesitzer weiterhin interessiert sind, Holz zu schlagen.


MSK Anhängerversion von TST mit einer Nutzlast von 3 t.

Wo steht die Unternehmung in fünf Jahren?
Unser Ziel ist es, den aktuellen Mitarbeiterbestand langfristig zu halten und auch in Zukunft weiterhin Lernende auszubilden. Gleichzeitig planen wir, unseren Maschinenpark kontinuierlich auszubauen und zu modernisieren, um unsere Arbeit auch in den kommenden Jahren möglichst effizient und zuverlässig ausführen zu können.

Ein prägendes Erlebnis aus dem Alltag?
Für uns gibt es kein einzelnes Highlight – das Schönste am Tag ist immer wieder dasselbe: die eigene Arbeit im Wald zu sehen, zufrieden zurückzublicken und müde, aber glücklich nach Hause zu gehen. Der Teamanlass vor Weihnachten im Jahr 2025 hat mich besonders geprägt. Wir holzten wie vor 100 Jahren – mit der Axt und ganz von Hand. Es war deutlich anstrengender als heute, dafür aber ruhig und frei von Lärm.

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