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Waldwegsanierung in Mutten im Verbund gemeistert

Durch ein erfolgreiches Teamwork zwischen Forstbetrieb, Lehrlingsbaukurs der Forstwarte und externen Unternehmungen konnte der Waldweg «Hinder brannta Wold» in Mutten fachgerecht instandgesetzt und die Funktions- und Gebrauchstauglichkeit wiederhergestellt werden. Mit den baulichen Massnahmen kann die Zugänglichkeit sowie die Sicherheit für Forstbetrieb aber auch andere Interessensgruppen wieder gewährleistet werden.

In Mutten, Fraktion der Gemeinde Thusis, wurde in der vergangenen Bausaison ein wichtiger Forstweg im Gebiet «Hinder brannta Wold» erfolgreich in­stand gestellt. Die Arbeiten wurden in einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit durchgeführt, an der mehrere meist lokale Akteure beteiligt waren:

  • Kommunaler Forstdienst
  • Forstwartlehrlings-Baukurs
  • Externe Bauunternehmungen


    Abb. 1: Übersichtsplan der ausgeführten Massnahmen, die Massnahme im Muttnertobel befindet sich beim roten Punkt. Die Massnahmen am Waldweg «Hinder brannta Wold» befinden sich bei der roten Linie. Plan nicht massstäblich.(© Kanton Graubünden/GeoGR AG/Swisstopo)

Durch dieses erfolgreiche Teamwork konnte der Waldweg fachgerecht instandgesetzt und die Funktions- und Gebrauchstauglichkeit wiederhergestellt werden. Durch die baulichen Massnahmen kann die Zugänglichkeit sowie die Sicherheit für Forstbetrieb aber auch andere Interessensgruppen wieder gewährleistet werden.
Im Rahmen des Projekts wurde am Waldweg im Muttnertobel eine Schadstelle, die im Jahr 2024 durch einen Steinschlag entstanden war, vorgelagert instand gestellt. Der Weg wurde dadurch wieder nutzbar und insbesondere die Fahrsicherheit im felsigen, steilen Bereich ist damit wieder gesichert.
Das Wiederinstandstellungsprojekt war für Thusis bzw. für Mutten wichtig, da ein grosser Teil der Waldfläche derzeit unternutzt ist und Erschliessungen essenziell für die Bewirtschaftung, den Schutzwald und auch die bestehende Freizeitnutzung sind.
Die Projektidee wurde im Jahr 2022 durch Philip Christen, Revierförster des Forstdiensts Thusis-Masein, gemeinsam mit der Region 4 des Amts für Wald und Naturgefahren (AWN) in Tiefencastel aufgegleist. Ziel war es von Beginn an, ein geeignetes Objekt für einen Lehrlingsbaukurs der Forstwarte zu nutzen und zugleich die Basiserschliessung des gros­sen Waldgebietes «Hinder brannta Wold» wiederherzustellen bzw. zu verbessern.

Ausgangslage

  • Hohe Bedeutung der Waldbewirtschaftung im grossen Projektperimeter
  • Schlechter Zustand der bereits bestehenden Erschliessungswege
  • Bedarf an einer nachhaltigen, langfristig gesicherten Forsterschliessung

Projektziele
Das Hauptziel bestand darin, die Sanierung des Waldwegs mit Fokus auf den bestmöglichen Erhalt vorhandener Infrastrukturen zu planen. Dabei sollten die finanziellen Aufwendungen verhältnismässig und effizient eingesetzt werden, um eine langfristig stabile Erschliessung für die Waldbewirtschaftung zu sichern (Nutzungsintervall ca. alle 10–15 Jahre).
Daher wurden 33 bestehende Infrastrukturelemente des Weges betreffend Zustand und Fortbestehen untersucht. Neun Elemente wurden als intakt eingestuft – hier wurden keine oder nur geringfügige Arbeiten ausgeführt. Bei 24 Elementen wurden zusammenfassend die folgenden Massnahmen zur Sanierung vorgesehen:

  • Räumung und Rodung des Strassenperimeters inkl. betroffene Böschungen
  • Diverse Holzkasten
  • Vermörtelte Bruchsteinmauern nötigenfalls abbrechen und neu aufbauen
  • Zwei fast vollständig übersarte Brücken freilegen und instand stellen
  • Überprüfung bestehende Entwässerung und abhängig vom Zustand erneuern
  • Verankerte Pfahlwände
  • Ersatz Drahtgitterkörbe durch Holzkasten oder Trockenmauer
  • Fahrbahninstandsetzung und Erneuerung Zaunabschrankungen


Abb. 2: Durch Steinschlag zerstörte Fahrbahn im Muttnertobel (links). Instandstellung der Schadstelle mit verankerter Pfahlwand der Josef Gall Forstunternehmung AG (rechts). (Bilder: Gian Barandun)

Projektaufteilung und Beteiligte
Die Arbeiten für den Lehrlingskurs sollten dem Machbaren entsprechen und möglichst vielfältig, interessant und sinnvoll sein. Nachgelagert wurde festgelegt, welche Arbeiten durch den kommunalen Forstdienst bzw. externe Unternehmungen ausgeführt werden konnten. Da die Arbeiten für die Lehrlinge teilweise abhängig von Vorarbeiten durch die Unternehmungen waren, war von allen Beteiligten ein hohes Mass an Flexibilität gefragt.
Die Planung und Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Revierförster, dem AWN sowie den Kursleitern. Die Arbeiten verlangten eine intensive Koordination und Kommunikation von allen Beteiligten.
Aufgrund von Eingriffen in zwei Gewässerläufen wurde während der Projektausarbeitung eine fischereirechtliche Bewilligung beim Amt für Jagd und Fischerei (AJF) eingeholt. Diese wurde unter Auflagen erteilt. Die Umsetzung während der Bauphase wurde mit dem zuständigen Fischereiaufseher laufend abgesprochen.


Abb. 3: Waldweg «Hinder brannta Wold»: Übersarte Brücke Nr. 1 (links) sowie wieder freigelegte und instand gestellte Brücke (rechts).

Bauausführung
Aufgrund der kurzen Bauzeit in Mutten erforderte die Bauausführung eine grosse Koordination und teilweise Kompromissbereitschaft zwischen allen Beteiligten. Zudem konnten die Zufahrtswege nur eingeschränkt gleichzeitig von mehreren Parteien genutzt werden.
Da die Strasse bereits bei Projektanfang durch eine umstürzende Stützmauer beschädigt war, wurden die Arbeiten zuerst durch die Fasolini AG und die Forstunternehmung Josef Gall AG begonnen. Damit konnte für weitere Arbeiten eine sichere Zufahrt gewährleistet werden. Anschliessend fand der Lehrlingsbaukurs der Forstwarte statt. Der Baukurs wurde im Juli 2025 in zwei Gruppen durchgeführt und trotz teils regnerischem Wetter reibungslos abgeschlossen.
Im Anschluss setzten die Fasolini AG und der kommunale Forstdienst die restlichen Sanierungsarbeiten gemäss Zeitplan bis Ende Oktober 2025 um.
In den Abbildungen 2 und 3 werden einige sanierte Elemente im Überblick mit einem Vorher-­Nachher-Vergleich aufgezeigt.
Erstaunlicherweise waren die Brückenplatte, die Widerlager sowie die Flügelmauern der Brücke noch intakt. Die wenigen Risse in der Vermörtelung der Widerlager wurden neu ausgefugt.
Der obere Teil der Bruchsteinmauer war ausgebrochen und drohte abzukippen (Abb. 4). Im hinteren Abschnitt war bereits ein Teil der Bruchsteinmauer ausgebrochen und wurde durch einen Holzkasten ersetzt, welcher bereits ebenfalls wieder morsch war. Die Neuerstellung der Bruchsteinmauer wurde durch die Fasolini AG ausgeführt.


Abb. 4: Bruchsteinmauer neben Brücke Nr. 1.

Im Weiteren lag das Fundament der Bruchsteinmauer frei und wurde bei der Sanierung wieder gesichert.
Zur Zeit der Projektierung der Brücke Nr. 2 war das Objekt fast vollständig übersart, und allfällige notwendige Massnahmen konnten nur vermutet werden (Abb. 5). Während der Freilegung der Brücke zerbrachen Teile des orografisch rechten Widerlagers, und dieses drohte zu kippen. Unter Abstützung wurde das Widerlager in drei Etappen neu auf­betoniert. Die Ausführung erfolgte durch die Fasolini AG.


Abb. 5: Übersarte Brücke Nr. 2 (links). Freigelegte und sanierte Brücke (Mitte und rechts).

Mit dem Lehrlings-Baukurs konnten mehrere Holzkasten gemäss den folgenden Abbildungen erstellt werden:


Abb. 6: Diverse Holzkasten; der Holzkasten bei Objekt 29 wurde passgenau mit Steinen aus den bestehenden Drahtgitterkörben ausgefacht. Beim Bild unten rechts ist auch eine durch den Lehrlings-Baukurs erstellte Trockenmauer zu sehen.

Fazit
Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem kommunalen Forstdienst, den Kursleitenden, den externen Unternehmungen und dem AWN und AJF konnte ein anspruchsvolles Sanierungsprojekt erfolgreich umgesetzt werden. Die Integration eines Lehrlingsbaukurses erwies sich als sehr erfreulich. Die Lehrlinge haben mit dem Baukurs am Endergebnis der Wegsanierung einen massgeblichen Anteil (siehe auch Abbildung 8) beigetragen.


Abb. 7: Teamwork ist angesagt: die Lernenden im Einsatz. (beide Bilder: Flurin Guidon)

Abschliessend ist zu erwähnen, dass im Hintergrund der Ausführung der Massnahmen stets die Devise galt, die Funktion des Waldwegs einzig für Waldbewirtschaftung auszulegen. An diesem Beispiel konnte sehr gut aufgezeigt werden, dass mit zielgerichteten, einfachen Massnahmen die Fahrtauglichkeit sowie Sicherheitsvorgaben für die Waldbewirtschaftung und ggf. auch weiteren Interessensgruppen wieder erfüllt werden können.


Abb. 8: Fertiggestellter Holzkasten mit Steinausfachung des Baukurses.

Gian Barandun und Urs Hemmi, BAP Ingenieure AG, Heinzenbergstrasse 17, 7421 Summaprada.