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Instandsetzung und Sicherung übersteiler Strassenböschung Caschlings

Praxisbeispiel aus der Region 4 Bei der Erschliessung Caschlings in der Gemeinde Surses führten Hangwasser in einer übersteilen, bergseitigen Strassenböschung zu Rutschungen, die zum langfristigen Schutz der Waldstrasse und der unterhalb verlaufenden Nationalstrasse mit umfangreichen Massnahmen gesichert wurden. Iris Castelberg

Nördlich der Ortschaft Cunter in der Gemeinde Surses liegt die Walderschliessung Caschlings. Der in den 1910er-Jahren erstellte Weg verbindet das Dorf Cunter mit der Maiensässsiedlung Promastgel und erschliesst die Schutzwälder oberhalb der Nationalstrasse N29. Mit dem Neubau der südöstlich verlaufenden Strasse in den frühen 90er-Jahren verlor der Weg die landwirtschaftliche Bedeutung und dient seither ausschliesslich der Bewirtschaftung des Schutzwaldes.
Im Jahr 2015 wurde der Weg zu einer Waldstrasse STANDARD ausgebaut. Dabei wurden verhältnismässig steile, bergseitige Strassenböschungen angelegt.
Bereits während der Ausbauphase kam es zu einer ersten Hangrutschung, die das Strassentrassee bei Pare digl Laresch beschädigte. In der Folge wurden Erdmaterial abgetragen, ein Hangrost erstellt und Wasseraufstösse aus dem Hang mittels Steinpackungen entwässert. Unterstützend wurden Weiden, Sanddorne und Erlen gepflanzt. Dies allerdings aufgrund des ausserordentlich trockenen Standorts mit bedingtem Anwuchserfolg.


Situation im Juni 2024.

Im Dezember 2023 ereignete sich gleichenorts erneut eine spontane Rutschung, welche die bestehenden Holzverbauungen teilweise mitriss sowie die Waldstrasse beeinträchtigte. Als Auslöser der Rutschung wird ein erhöhter Wasserdruck im Boden vermutet. Die instabile und rutschgefährdete Böschung musste zum Schutz der Walderschliessung sowie der darunter verlaufenden Nationalstrasse erneut mit baulichen Massnahmen gesichert werden.
Als Hauptziel des Projekts wurde der langfristige Erhalt der Erschliessung und der Fahrsicherheit definiert. Dazu sollten weitere Rutschungen verhindert, lose Sturzkörper gesichert oder entfernt und erosionsanfällige Steilbereiche mit einem flexiblen Böschungsstabilisierungssystem geschützt und begrünt werden.


Situation am 25. September 2025. (Bilder: Iris Castelberg)

In einem ersten Schritt wurde zum Schutz der Nationalstrasse vor herabrollenden Steinen beim talseitigen Strassenrand eine Schutzwand aus Stahlträgern mit Holzausfachung erstellt. Anschliessend wurde mit einem Schreitbagger die Anrisskante abgetragen, das abgerutschte Material aus der Böschung bis zur Waldstrasse geräumt und die beschädigten Holzverbauungen entfernt. Einzelne Bäume im Bereich der Anrisskante wurden aus Sicherheitsgründen vorgängig entfernt.
Die Sicherung des übersteilen, potenziell tiefgründigen Gleitbewegungen unterliegenden Böschungsfusses entlang der Waldstrasse erfolgte durch eine permanente Ankerwand aus Spritzbeton. Der Aushub und die Gunitierarbeiten für die 1,6 m hohe, rückverankerte Ankerwand erfolgten im Pilgerschrittverfahren in Etappen von jeweils 5 m. Alle Anker wurden mindestens 4 m tief im Fels verankert. Entgegen der Erwartung, dass Wasser aus dem Boden austreten könnte, blieben die Bohrlöcher trocken. Dennoch wurden in regelmässigen Abständen Entwässerungsrohre in der Ankerwand verlegt.
Nach Fertigstellung des Ankerriegels wurden aufgrund mehrerer Starkniederschläge und erneuter Erosionserscheinungen die Arbeiten am Netzverspann der übersteilen Böschungsbereiche der geplanten bergseitigen Blocksteinmauer vorgezogen. Insgesamt wurden rund 600 m², verteilt auf zwei Flächen, im oberen Böschungsbereich gesichert.
Die letzte Bauetappe beinhaltete das Errichten der Blocksteinmauer. Um sicherzustellen, dass allfällige Wasseraufstösse das Bauwerk nicht beeinträchtigen, wurde die Hinterfüllung mit Sickerbeton ausgeführt. Aufgrund beengter Platzverhältnisse und der Arbeitsweise «vor Kopf» war das gleichzeitige Anliefern zweier unterschiedlicher Betonsorten kaum möglich. Daher wurde auf Fugenbeton verzichtet. Dies bedingte, dass die Mauerfugen möglichst klein ausgebildet, mit kleinen Steinen ausgefacht und soweit erforderlich mit Sickerbeton ergänzt wurden.
In Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz wurde rund um die gesicherte Erosionsfläche ein Wildschutzzaun erstellt. Dieser soll verhindern, dass die auf einer Fläche von rund 1500 m² neu eingesetzten, klimafitten Pflanzen nach Abschluss der Bauarbeiten verbissen werden oder neue Erosionsschäden entstehen.


Dank der Umfahrungsmöglichkeit über die südöstlich verlaufende Strasse nach Promastgel konnte die Erschliessung Caschlings für jeglichen Verkehr gesperrt werden, sodass die Bauarbeiten entsprechend uneingeschränkt ausgeführt werden konnten. Im Oktober 2025 wurden die projektierten Sicherungsmassnahmen abgeschlossen und der Gemeinde Surses übergeben.

Iris Castelberg ist technische Sachbearbeiterin beim AWN, Region Mittelbünden/Moesano.