Ein Pilotprojekt für CO2-Speicherzertifikate im Schweizer Holzbau
Timber Finance entwickelt seit 2022 – gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern – eine nach dem ICROA anerkannte Methodologie, welche die CO2-Speicherung im verbauten Holz erstmals messbar, zertifizierbar und handelbar macht. Damit können Bauherrschaften künftig Erlöse aus dem Handel mit CO2-Speicherzertifikaten für Holzbauten erzielen.

Rundholzpolter. (Bilder: Graubünden Holz)
Holzbau erbringt dabei zwei zentrale Klimaleistungen: Zum einen ersetzt er emissionsintensive Materialien wie Stahl und Beton und reduziert so graue Emissionen bereits in der Bauphase. Zum anderen speichert das verbaute Holz biogenes CO2 langfristig über die gesamte Lebensdauer der tragenden Gebäudestruktur.
In diesem Zusammenhang sollen auch Waldwirtschaftsbetriebe für ihre Klimaleistung durch nachhaltige Bewirtschaftung – etwa durch Transformation, Durchforstung und Verjüngung – entschädigt werden. Damit wird die Wertschöpfungskette vom Wald bis zum Gebäude ganzheitlich in die Klimawirkung eingebunden.
Im Rahmen der Pilotphase werden in der DACH-Region mehrgeschossige Holz-, Gewerbe- und Industriebauten berücksichtigt, die sich noch in der Planungsphase oder vor Baubeginn befinden. Ziel der Pilotphase ist es, den Holzbau als skalierbaren Ansatz für die langfristige CO2-Speicherung zu etablieren. Dabei wird CO2 erfasst, das Bäume während ihres Wachstums aus der Atmosphäre aufnehmen und das im verbauten Holz über die gesamte Lebensdauer der tragenden Gebäudestruktur gebunden bleibt.

Abbundarbeiten bei den Wandelementen.
Regionale Holzverwendung als Klimabeitrag
Herzstück des Splügner Projekts ist der umfassende, regionale Holzeinsatz: Insgesamt werden 433 m3 Holz verbaut, davon 260 m3 aus dem Revitalisierungsprojekt Äbi bei Medels/Nufenen. Das schafft Wertschöpfung im Tal, stärkt die regionale Waldpflege und fördert die Schutzwaldfunktion nachhaltig. Gerade weil im Schweizer Wald jährlich rund 3 Mio. m3 Holz ungenutzt bleiben, zeigt das Projekt exemplarisch, wie Waldbewirtschaftung und Holzbau gemeinsam eine positive Klimawirkung entfalten können.
Der Bau entsteht als hybrider Beton-Holzelementbau. Auf der Stahlbeton-Einstellhalle werden fünf Geschosse in vorfabrizierter Holzelementbauweise errichtet. Rund 300 Wandmodule aus beidseitig beplankten, gedämmten Holzständern sowie Holz-Beton-Verbunddecken kombinieren die Vorteile beider Materialien: hohe Tragfähigkeit, verlässlicher Brand- und Schallschutz sowie ein markant tieferer CO2-Fussabdruck gegenüber der konventionellen Massivbauweise.

Brettschichtstapel
Wohnraum für den Rheinwald – klimafreundlich, funktional, bezahlbar
Mit dem Neubau reagiert die Gemeinde auf die zunehmende Verknappung von Erstwohnungen. Viele Menschen sind bereits gezwungen, ausserhalb des Tals Wohnraum zu suchen – mit entsprechendem Verlust an lokaler Wertschöpfung. Das neue Gebäude schafft 18 moderne Erstwohnungen (2½ bis 4½ Zimmer) mit durchdachten Grundrissen, guter Ausstattung und komfortabler Infrastruktur.

Aufrichte
Der Bezug ist auf Sommer 2026 geplant. Mit einem Investitionsvolumen von 6,9 Mio. Franken stärkt die Gemeinde nicht nur die lokale Bau- und Holzbranche, sondern setzt auch ein starkes Zeichen für nachhaltige Entwicklung. Zahlreiche regionale Unternehmen – vom Forstamt über die Sägerei, Planung, Holzbau und Gebäudetechnik bis hin zu weiteren Firmen im Hochbau – sind am Projekt beteiligt.

Akteure
Impuls für den Schweizer Holzbau
Das Mehrfamilienhaus Rheinwald zeigt beispielhaft, welches Potenzial in grossen Holzbauten steckt:
- Graue Emissionen vermeiden durch den Einsatz von Low-Carbon-Materialien
- Regionale Wald- und Holzwirtschaft stärken
- Innovative Wertschöpfungsketten schaffen
- Bezahlbaren Wohnraum ermöglichen
- Zusätzliche Erlöse aus CO²-Speicherzertifikaten generieren
Damit dient das Projekt als Motivations- und Referenzbeispiel für weitere Bauherrschaften, ihre Neubauten in Holz zu realisieren und Teil der wachsenden CO²-Speicherlösung im Schweizer Bauwesen zu werden. Die Gemeinde Rheinwald zeigt: Klimaschutz beginnt im Wald – und wird im Gebäude sichtbar, messbar und marktwirksam.
Marcel Lerch ist Geschäftsführer von Graubünden Holz.







































































