Eckdaten
In Innerferrera, auf Romanisch auch Calantgil genannt, steht die Gemeindesägerei Ferrera. Der Säger Daniel Dürst begann seine Karriere auf der alten Sägerei im Jahre 2011 und arbeitet seit der Revision Vollzeit auf der modernisierten Sägerei. Dürst arbeitet heute im 80%-Pensum, dieses ist jedoch so aufgeteilt, dass er jeweils von März bis Ende November Vollzeit arbeitet und in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar in den Winterschlaf geht. Mehr dazu später.
Während der letzten zehn Jahre hat die Sägerei Ferrera im Durchschnitt rund 400 m3 Rundholz jährlich eingesägt. Eingeschnitten wird vor allem Nadelholz, wobei die Lärche mit 56% die am meisten eingesägte Baumart der Sägerei Ferrera ist. Am zweithäufigsten wird die Fichte mit einem Anteil von 38% eingesägt. Die dritthäufigst eingesägte Baumart ist die Arve mit einem Anteil von 6%. Das Fichtenrundholz für die Sägerei wird vollumfänglich aus den Waldungen der Gemeinde Ferrera bezogen. Das Arvenrundholz bezieht die Sägerei Ferrera meistens von der Nachbargemeinde Avers, wobei manchmal auch einige Arvenstämme aus den Wäldern der Gemeinde Ferrera stammen. Der Grossteil des Lärchenrundholzes muss angekauft werden, da die jährliche Menge an geerntetem Lärchennutzholz der Gemeinde Ferrera nur knapp ein Fünftel der benötigten Menge der Sägerei ausmacht. Aus diesem Grund werden Lärchen aus dem ganzen Kanton Graubünden gekauft.

Die Gemeindesägerei Ferrera. (Bild: Mathias Kunfermann)
Produkte
Die Sägerei Ferrera sägt auf Kundenbestellung ein. Den Wünschen der Kunden sind dabei beinahe keine Grenzen gesetzt. Die Sägerei kann Stämme mit einem Durchmesser von bis zu 90 cm und einer Länge von bis zu 12 m verarbeiten. Von Klotzbrettern über Balken bis hin zu Parallelbrettern kann auf Wunsch alles eingesägt werden. Von Vorteil ist dabei immer, wenn das geplante Projekt und die dafür benötigten Schnittwaren vorgängig mit dem Säger Dürst besprochen werden. Die Sägerei Ferrera sägt auch im Lohnschnitt ein. Dabei können uns die Kunden ihr Rundholz bringen, und wir sägen dieses gemäss Kundenwunsch ein. Aufgrund der engen Platzverhältnisse verfügt die Sägerei Ferrera lediglich über ein kleines Lager. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, wenn man bei der Sägerei Ferrera schon frühzeitig seine Bestellung aufgibt oder man Zeit hat, teilweise bis zu mehreren Wochen auf seine Produkte zu warten. Es heisst ja nicht umsonst: Gut Ding will Weile haben.
Gibt Dürst jedoch einen Endtermin bekannt, so wird dieser auch eingehalten und man kann ein exakt eingesägtes, perfekt gestapeltes Paket mit einheimischen und feinjährigen Schnittwaren entgegennehmen.
Schwierigkeiten
Die Sägerei Ferrera kämpft trotz der Modernisierung jährlich mit roten Zahlen. Diese Defizite werden von der Bevölkerung akzeptiert, da man stolz auf die eigene Sägerei ist und diese auch behalten möchte. Die Modernisierung im Jahre 2013 sollte jedoch eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit mit sich bringen. Woran liegt es dann, dass die Sägerei Ferrera aus wirtschaftlicher Sicht immer ein Messer am Hals hat?
Der grösste Kostenfaktor sind die kleinen Platzverhältnisse. Diese beginnen beim Rundholzlager. Die vier kleinen Holzrollen neben der Sägerei können lediglich nach Holzart und bei der Lärche noch in die Längen 4 m und 5 m unterteilt werden. Werden nun für einen Auftrag gewisse Dimensionen benötigt, so müssen teilweise ganze Rollen umgekehrt werden oder man muss das Holz sogar von den zwei grösseren Holzpoltern ausserhalb des Dorfes zuführen lassen. Im Inneren der Sägerei sieht es mit dem Platz nicht besser aus. So muss ein Grossteil der Schnittwaren mehrmals in die Hand genommen werden, bis diese zum fertigen Produkt auf das richtige Paket gestapelt werden können. Dementsprechend ist auch das Schnittwarenlager aus Platzgründen auf ein Minimum beschränkt. Dieses minimale Lager hat zur Folge, dass Kunden, welche kurzfristig auf die passenden Schnittwaren angewiesen sind, nicht bedient werden können. Fragen Kunden dann mehrfach nach Schnittwaren an und können nicht beliefert werden, so besteht die Gefahr, dass sie in Zukunft ihre Produkte direkt woanders beziehen.
Ebenfalls einen grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Sägerei hat die Auftragsgrösse. Viele kleine Aufträge mit verschiedenen Massen ergeben aufgrund der kleinen Platzverhältnisse höhere Produktionskosten. Hat die Sägerei jedoch grössere Aufträge, ab 2 m3 Schnittwaren mit einheitlichen Massen, so kann der Säger auch mit wenig Platz preiswert einsägen.
Eine weitere Schwierigkeit ist der Einschnitt im Winter. Die Sägerei Ferrera liegt auf der Schattenseite des Tales. Die Sonne verabschiedet sich Anfang Dezember von der Sägerei und kommt erst Ende Februar wieder. Somit friert das Holz, die Gleise des Sägewagens und alles Weitere rund um die Sägerei ein. Liegt dann am Morgen noch Schnee, so geht viel Zeit verloren, bis die Sägerei wieder einsatzfähig ist.
Einen weiteren grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben die Schnittholzpreise der Sägerei Ferrera. Um auf dem Schnittwarenmarkt gute Absätze zu generieren und auch das einheimische Gewerbe beliefern zu können, wurden Schnittwaren in den vergangenen Jahren zu günstigen Preisen abgesetzt. Auch dies trug unter anderem dazu bei, dass die Sägerei Ferrera vermehrt in den roten Zahlen war.

Das Innere der Sägerei Ferrera. In der Mitte sieht man den Sägewagen mit der Blockbandsäge und links den Besäumer. (Bild: Enrico Netzer)
Wie weiter?
Im ganzen Kanton Graubünden gehen vermehrt wieder einzelne Gemeindesägereien zu, da diese nicht mehr rentabel sind. Die Sägerei Ferrera ist jedoch ein wichtiger Teil der Geschichte des Dorfes sowie der Region. Sie gehört zum Tal und soll auch in Zukunft weiterhin Holz einsägen. Nichtsdestotrotz müssen angesichts der finanziellen Herausforderungen der Gemeinde auch die Finanzen im Auge behalten werden. Faktoren, wie in unserem Beispiel der Platzmangel, aber auch die Auftragsgrösse, können von der Sägerei Ferrera nur bedingt beeinflusst werden. Einzig bei den Kleinmengen hat die Sägerei Ferrera einen Kleinmengenaufschlag angesetzt, welcher das Defizit ein wenig minimiert.

Arventäfer der Sägerei Ferrera, welches in einem Neubau verbaut wurde. (Bild: Enrico Netzer)
Des Weiteren wurde das Arbeitspensum des Sägers angepasst. Dieser arbeitet jetzt im 80%-Pensum. Das Arbeitspensum des Sägers verhält sich wie die Sonne. Sobald diese im Februar zum Vorschein kommt, arbeitet der Säger 100%, und er verlässt die Sägerei Anfang Dezember wieder mit der Sonne und geniesst eine Winterruhe. Somit kann aufwendiges Arbeiten im Winter vermieden werden, was sich positiv auf die Finanzen auswirkt. Ebenfalls wurden die Schnittholzpreise in den vergangenen Jahren angepasst. Aufgrund dieser Erhöhung wurden jedoch oft die günstigeren Produkte der grossen Schnittholzlieferanten unseren einheimischen Produkten vorgezogen. Nachhaltigkeit und Regionalität hört bei so manchem beim Portemonnaie auf. Nichtsdestotrotz erfreut sich die Sägerei Ferrera einer kontinuierlichen Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten, und es würde uns freuen, wenn wir in Zukunft auch für Sie einen Auftrag umsetzen dürften.
Enrico Netzer, Revierförster Ferrera/Avers. Gelernter Forstwart, schloss in Zollikofen den BSc Waldwissenschaften ab und leitet seit November 2019 die Sägerei Ferrera.







































































